Grundschulen: Kommunen geben nicht viel auf Vorstoß des Landesrechnungshofs

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Im Gifhorner Nordkreis steht derzeit keine Grundschule vor der Schließung.
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Im Gifhorner Nordkreis steht derzeit keine Grundschule vor der Schließung.

Landkreis Gifhorn. Geht es nach dem Willen des Landesrechnungshofes, sollen in Niedersachsen alle Grundschulen geschlossen werden, die weniger als 50 Schüler haben. Betroffen sind nach ersten Berechnungen 65 Grundschulen.

Grund für das Vorhaben: Das Personal schlage mit 5300 Euro pro Schüler und Jahr zu Buche.

Um Haaresbreite kommt die Grundschule Ehra-Lessien rein statistisch noch einmal davon. Dort gehen derzeit 54 Schüler in die Grundschule. Findet Rektorin Evelin Fessel das Vorhaben den Landesrechnungshofes gerechtfertigt? „Ich meine, dass es Sinn macht, wenn die Klassenverbände so klein sind.“ In vier Klassen könne man aber, wie in Ehra-Lessien, sehr gut arbeiten.

Ebenfalls zu den kleineren Schulen in der Samtgemeinde Brome gehört die Grundschule Tülau-Voitze. „Wir haben derzeit 74 Schüler“, sagt Rektorin Marianne Berlinecke. Zwar wisse sie, dass im kommenden Schuljahr die Schülerzahl auf unter 70 sinken, allerdings im Jahr darauf wieder ansteigen werde. „Früher gab es nicht so starke Schwankungen, aber so sieht der allgemeine Trend aus“, so Berlinecke.

Auch die Samtgemeinde Hankensbüttel hat zwei Grundschulen, die in der Nähe der 50er-Marke des Landesrechnungshofes liegen. „Die Grundschule in Steinhorst ist vom Rechnungshof unter die Lupe genommen worden“, sagt Samtgemeindebürgermeister Andreas Taebel. Dort werden zurzeit 40 Kinder gezählt. In Sprakensehl sind es immerhin noch 56. Tendenz laut 2013 fortgeschriebenem Schulentwicklungsplan in beiden Fällen: stark fallend.

Doch das Votum über eine Schließung kann das Land nicht fällen – das ist Sache der jeweiligen Kommune. So sagt Taebel denn auch: „Wir sind Schulträger, und wir entscheiden über unsere Grundschulen.“ Eine ortsnahe Beschulung sei wichtig. Und: „Schulentwicklungspläne treten nicht immer so ein, wie sie verfasst wurden.“ Zuzüge könnten die Statistik bei so geringen Schülerzahlen schon erheblich verändern. Taebel: „Schulen sind immer ein Zuschussgeschäft. Kosten können kein alleiniges Kriterium für ein gutes Schulangebot sein.“

Vielmehr habe sich die Samtgemeinde mit der Schulbehörde in Lüneburg darüber verständigt, wie es nach dem Ausscheiden von Birgit Otto-Geib weitergeht. Die Leiterin der Grundschule Sprakensehl geht zu den Sommerferien in den Ruhestand. „Wir haben eine gute Lösung gefunden“, sagt Taebel. In Sprakensehl und in Steinhorst werde in absehbarer Zeit keine Grundschule geschlossen.

Im Wittinger Rathaus ist man sich der Entwicklung der Schülerzahlen bewusst. Radenbecks Grundschule ist mit 79 Schülern einzügig, auch hier ist die Tendenz stark fallend. Eine Schließung ist derzeit dennoch kein Thema: Räume der Schule sind an die Lebenshilfe vermietet, das Nebeneinander funktioniert nach Angaben des Ersten Stadtrats Peter Rothe hervorragend: „Wir haben dort gelebte Inklusion.“ Bei der Schulentwicklungsplanung auf dem flachen Land müsse man auch die Entfernungen betrachten, findet Rothe. Entscheidungen über etwaige Schließungen müssten „vor Ort diskutiert werden, nicht auf Landesebene“.

Von Carola Hussak, Jens Schopp und Holger Boden

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