Keine Entsorgungsmaßnahmen in Hankensbüttel, Steinhorst und Meinersen geplant

Bohrschlamm bleibt in Gruben im Kreis Gifhorn

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Die in den drei Gruben im Landkreis eingelagerten Bohr- oder Ölschlämme werden vorerst nicht entsorgt.

Landkreis Gifhorn. Die Erdöl- und Erdgasindustrie in Deutschland steht vor einem gewaltigen Entsorgungsproblem: Nach Recherchen von WDR und NDR fielen in den vergangenen zehn Jahren allein bei der Sanierung der drei alten Bohrschlammgruben Wietingsmohr, Eydelstedt und Emlichheim in Niedersachsen rund 720.000 Tonnen Giftmüll an.

Da Niedersachsen seit 2005 über keine geeigneten Deponien verfügt, wurden die Schlämme nach dem Bericht in andere Bundesländer gebracht.

„Bei den 720.000 Tonnen sind auch Bohrschlämme aus der Produktion enthalten, die den Projekten nicht zugerechnet werden können“, sagt Pressesprecherin Justina Lethen vom Umweltministerium in Hannover dem IK. Auf die Deponie Flotzgrün in Rheinland-Pfalz seien vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung rund 258.000 Tonnen, auf die Sonderabfalldeponie Hürth-Knapsack in der Nähe von Köln rund 330.000 Tonnen durch die Firma Remondis entsorgt worden.

Bei den drei Projekten sind laut Lethen auch andere Abfälle angefallen, die auf Deponien der Klassen DK I oder DK II entstehungsnah in Niedersachsen entsorgt wurden.

„Die genannten drei Bohrschlammgruben sind vollständig zurückgebaut worden“, sagt Andreas Beuge, Sprecher des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover, auf IK-Anfrage. Zunächst seien die angefallenen Mengen Ölschlamm fachgerecht in die dafür vorgesehenen Deponien entsorgt worden, anschließend wurden die Gruben mit Erdmaterialien verfüllt und damit die Flächen für eine weitere Nutzung zur Verfügung gestellt.

Weitere 260.000 Tonnen gingen nach den Informationen von WDR und NDR nach Rheinland-Pfalz. In 40 weiteren von den Behörden erfassten Gruben würden sich noch einmal fast zwei Millionen Kubikmeter giftiger Bohrschlämme befinden.

„Die von NDR und WDR genannte Zahl von fast zwei Millionen Kubikmeter giftiger Bohrschlämme ist nicht zutreffend. Das LBEG geht davon aus, dass es sich um ein Volumen von bis zu maximal 300.000 Kubikmeter Ölschlämme handelt, die entsorgt werden müssen“, sagt Beuge.

Bei Gruben im Landkreis Gifhorn sind laut Beuge momentan keine Entsorgungsmaßnahmen geplant. Bei der unter Bergaufsicht stehenden Schlammgrube Hardesse der Firma RWE Dea (heute „Letter One“) bei Meinersen sei Bohrschlamm eingelagert worden, der nicht entsorgt werden soll. Die eingelagerte Menge betrage 16 200 Kubikmeter.

Bei der noch unter Bergaufsicht stehenden Schlammgrube Eldingen der Firma Exxon Mobil bei Steinhorst sei Ölschlamm eingelagert worden. Die eingelagerte Menge betrage 20.000 Kubikmeter. Nach Sicherung der Grube durch eine Oberflächenabdichtung finde zurzeit ein Grundwassermonitoring statt. Entsorgungsmaßnahmen seien aktuell nicht geplant.

Die damalige zentrale Bohrschlammgrube Hankensbüttel hat nach Angaben von Beuge ein Volumen von 14.200 Kubikmeter. Die Grube sei Ende 2004 aus der Bergaufsicht des LBEG entlassen worden: „Eine Entsorgung des Bohrschlamms wurde nicht vorgenommen.“

Von Paul Gerlach

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