1. az-online.de
  2. Isenhagener Land
  3. Gifhorn

Schinken ist nicht gleich Schinken

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Muss die Isenbütteler Landjugend auf diesen Gutschein einen ganzen Schinken rausrücken? Das entscheidet bald das Amtsgericht.
Muss die Isenbütteler Landjugend auf diesen Gutschein einen ganzen Schinken rausrücken? Das entscheidet bald das Amtsgericht. © dpa

dpa Gifhorn. Am Amtsgericht Gifhorn wird derzeit um einen Schinken gestritten. Ein 62-jähriger Mann hatte „1 Schinken“ bei einer Tombola in Isenbüttel gewonnen. Doch statt einer Schweinekeule sollte er ein kleineres Stück bekommen.

Nun soll die Landjugend, die die Tombola veranstaltet hat, einen ganzen Schinken herausrücken. Doch die weigert sich. Allerdings hat die Klage einen Haken: „Diese Tombola ist halt nur eine Tombola“, sagt Gifhorns Amtsgerichtsdirektor Heinold Willers. Sie genieße keinen Rechtsschutz. Es sei denn, es handele sich um schwerwiegenden Betrug.

Eigentlich sollte die Sache mit dem verlosten Schinken nur Gewinner haben. Die Landjugend verdient sich mit einer Tombola auf einem Erntedankfest was dazu, der glückliche Gewinner bekommt ein saftiges Stück Fleisch. Doch die Angelegenheit ist eskaliert. Nun muss ein Gericht entscheiden.

Im vergangenen Jahr hatte in Isenbüttel Klaus Schintag ein glückliches Händchen. Der 62-Jährige zog das richtige Los und gewann bei der Tombola einen Gutschein für „1 Schinken“. Als er seinen Gewinn bei einem Partyservice abholten wollte, war er allerdings enttäuscht. Statt der erwarteten Schweinekeule bekam er lediglich einige hundert Gramm Schinken. „Ein Schinken ist ein Schinken – und nicht ein Viertel Schinken“, sagt er. Er fragte bei der Landjugend nach, doch der Streit ließ sich nicht aus der Welt schaffen.

Es wurde formell. „Weil es für mich eindeutig war und für meinen Anwalt auch, kam es im Dezember zur Klageeinreichung.“ Eben auf Herausgabe eines Schinken.

Juristisch gibt es mehrere Haken. Das Hauptproblem: Eine Tombola als nicht-staatliche Lotterie kann laut Gesetz keinen Rechtsschutz genießen, wenn nicht gerade ein schwerwiegender Betrug vorliegt. Eine knifflige Sache: „Als Prüfungsfall fürs Staatsexamen wäre das wunderschön“, so Willers.

Der zuständige Richter Christoph Puruckherr hat der beklagten Landjugend geraten, bei künftigen Veranstaltungen die Gutscheine eindeutiger zu machen. Das hätte den Ärger möglicherweise verhindert. Allerdings ließ der Richter auch durchblicken, dass er dazu tendiere, die Herausgabeklage abzuweisen. Am 27. März soll das Urteil fallen.

Schintag hält trotz allem an seinem Begehren fest: „Wenn mich auch einige Leute nicht mehr grüßen, wie ich das mitgekriegt habe.“ Sollte er juristisch scheitern, will er mit dem Viertel Schinken vorlieb nehmen. „Den hole ich mir“, kündigt er an.

Auch interessant

Kommentare