Scheidungsrate bei 55 Prozent

Carsten Bromann

Landkreis Gifhorn. Rund 55 Prozent der Ehepaare im Landkreis Gifhorn lassen sich scheiden. „Das ist über dem Landesdurchschnitt“, sagt Johannes Grieger, Sozialpädagoge bei der Beratungsstelle der Gifhorner AWO. Insbesondere länger verheiratete Paare trennen sich zunehmend.

Drei der entscheidenden Lebensphasen sind laut Grieger die Geburt eines Kindes, der Zeitpunkt, zu dem die Kinder in die Pubertät kommen oder dann aus dem Haus gehen und die Ruhestandsphase oder die Jahre davor. Jede dieser Phasen kann Paare in Schwierigkeiten bringen und immer ist die Paarbeziehung neu auszuhandeln.

Aber auch bei jungen und neu in den Landkreis zugezogenen Paaren kann es Schwierigkeiten geben. „Der Klassiker ist: neu zugezogen, Haus gebaut, Mann arbeitet, Frau ist zunächst mit dem Kind zu Hause, dann das Schichtsystem, die Frau ist viel allein, neue soziale Kontakte gestalten sich schwierig in dieser neuen Lebenssituation“, zeigt Grieger eine mögliche Spirale auf. Auch ein nahender längerer Ruhestand aufgrund einer Vorruhestandsregelung mit der Aussicht auf 25 weitere intensive gemeinsame Jahre kann Probleme bringen.

Generell gilt, dass Partner lernen müssen, Konflikte zu lösen und die gegenseitigen Bedürfnisse zu akzeptieren, und das ist schon nach der Geburt eines Kindes wichtig, die eine Partnerschaft grundlegend ändert. War es vorher noch einfacher, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, lebte man recht eigenständig, muss dann ein Arbeitsteam gebildet werden. „Es gilt, Kompromisse zu finden, in denen beide Partner vorkommen“, erklärt Carsten Bromann, Leiter des AWO-Beratungszentrums Gifhorn.

Kindererziehung oder Ordnung im Haushalt sind ebenfalls wesentliche Streitpunkte. Zu klären ist, wie viel Zeit man noch als Paar hat, Einrichtung einer Familienzeit oder Zeit, eigene Interessen oder Hobbys auszuführen. Oftmals ist aber auch eine Außenbeziehung, das klassische Fremdgehen, Grund für eine Paarkrise. „Viele Probleme passieren in einer Dynamik, in der man selber oft nicht weiß, wie es einmal angefangen hat“, wissen die Berater bei der AWO.

Ziel ist nicht, eine Beziehung um jeden Preis aufrecht zu erhalten, sondern eine vernünftige, fundierte Entscheidung zu treffen. „Die Frage ist, gibt es eine Chance, die bestehenden Probleme aus der Welt zu schaffen, oder sind sie zu groß“, nimmt Grieger als Messlatte. Der Berater selber ist neutral, eine Beratung zu dritt findet nur mit Einverständnis beider Partner statt. „Generell gilt, möglichst frühzeitig zu kommen“, rät Bromann.

Die Beratungsstelle der Gifhorner AWO ist montags, mittwochs bis freitags von 8 bis 12 Uhr und am Dienstag von 8.30 bis 11 Uhr unter (0 53 71) 72 47 41 erreichbar.

Von Burkhard Ohse

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