„Müssen keine Angst haben“

Rund 150 Zuhörer bei Diskussion zum Wolf in Gifhorn dabei

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Jörn Ehlers (v.l.), Helmut Dammann-Tamke, Dr. Holger Buschmann, Uwe Martens und Moderator Ralf Stephan diskutierten bei der Podiumsdiskussion über den Wolf. 

Gifhorn – Wer damit gerechnet hatte, dass sich während der Podiumsdiskussion am Freitagabend in der Gifhorner Stadthalle heiße Wortgefechte zum Thema „Rückkehrer Wolf – Angst, Hass, Faszination“ geliefert werden, der wurde enttäuscht.

Rund 150 Wolfs-Befürworter und -Gegner folgten der Einladung des Historischen Museums Gifhorn, das noch bis zum 13. Oktober eine Ausstellung zum Thema Wolf präsentiert.

Rund 150 Zuhörer verfolgten die Podiumsdiskussion in der Gifhorner Stadthalle.

Abteilungsleiterin Wiebke Manzke begrüßte die Gäste und machte die Bühne frei für Wolfsberater Raoul Reding von der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), die vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz offiziell mit dem Wolfsmonitoring in Niedersachsen beauftragt ist. Reding berichtete über die Verbreitung der Wölfe in Deutschland seit 2009 und bestätigte, dass es derzeit in Deutschland 75 Rudel, 28 Paare und drei Einzelgänger nachgewiesen wurden. Pro Jahr müsse mit 30 bis 50 Prozent Zuwachs gerechnet werden. In Niedersachsen zählte man 20 Rudel, zwei Paare und drei Einzelgänger. Von den Wolfspaaren werden jeweils viereinhalb Jungwölfe groß gezogen.

Während der Podiumsdiskussion, die vom Chefredakteur der Land&Forst, Ralf Stephan moderiert wurde, kamen Dr. Holger Buschmann als Vorsitzender des Nabu-Landesverbandes, Helmut Dammann-Tamke als Präsident der LJN, Jörn Ehlers als stellvertretender Präsident vom Landvolk Niedersachsen und Uwe Martens als stellvertretender Vorsitzender vom Freundeskreis freilebender Wölfe zu Wort.

Buschmann begrüßte, dass sich die LJN von Beginn an intensiv mit dem Thema Wolf beschäftigt hat. Er nannte die beiden Großkonflikte „Angst in der Bevölkerung“ und „Nutztierhaltung“. „Wir müssen keine Angst vor dem Wolf haben, sollten aber Nutztierhaltern helfen und unterstützen“, so Buschmann. Dammann-Tamke wies auf die rasante Entwicklung in der Wolfspopulation hin und erklärte die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium in Sachen Wolfsmonitoring. Ehlers beklagte die hohe Anzahl an Nutztierrissen und wies auf die Aktion „Aktives Wolfsmanagement“ hin. Hier wurde ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet und an die Politik herangetragen.

Martens erklärte das Schafhalter und Wolf funktionieren sollten. „Wir bauen selbst Zäune, um den Landwirten zu helfen und setzen uns durch Arbeitskreise für den Herdenschutz ein. Auf die Frage, ob diese Maßnahmen ausreichten, antwortete Martens mit Jein. Eine Förderung sei dort angebracht, wo keine Zäune erlaubt sind, wie in der Lüneburger Heide oder an den Küsten. „Wenn wir zulassen, dass die Population der Wölfe zunimmt, dann werden die Weidehalter die Verlierer der Entwicklung sein“, so Dammann-Tamke. Buschmann erwiderte, dass Nutztiere nur einen kleinen Teil der Nahrungskette des Wolfes ausmachen. Der größere Teil komme aus dem Bereich der Wildtiere. Hier kritisierte er, dass die Weidetierprämie abgeschafft worden sei und forderte mehr Unterstützung durch die Regierung.

VON SIEGFRIED GLASOW

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