Polizei informiert, woran Scamming erkannt wird und welchen Schutz es gibt

Romance- oder Love-Scammer: „Jeden Kontakt abbrechen“

Beim Verdacht, Opfer eines Scamming-Angriffs zu sein, sollte jeder Kontakt abgebrochen werden. Die Polizei rät dazu, die Email-Adresse zu löschen und sich eine neue Telefonnummer zu besorgen. Foto: dpa
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Beim Verdacht, Opfer eines Scamming-Angriffs zu sein, sollte jeder Kontakt abgebrochen werden. Die Polizei rät dazu, die Email-Adresse zu löschen und sich eine neue Telefonnummer zu besorgen. Foto: dpa
  • VonMatthias Jansen
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Gifhorn. Für die Polizei im Landkreis Gifhorn ist es ein „ungewöhnlicher Fall“: Eine 51-Jährige aus der Kreisstadt wird von einer Internet-Bekanntschaft um 33 000 Euro betrogen. „Sie war total verliebt“, schüttelt Polizeisprecher Thomas Reuter den Kopf.

Auch wenn das sogenannte „Love-Scammings oder „Romance-Scammings“ erstmals in Gifhorn aktenkundig wird, glaubt Reuter, dass es bundesweit bei dieser Betrugsmasche eine große Dunkelziffer gibt. Die Polizei hat folgende Präventionstipps:.

Wie erkenne ich einen Romance- oder Love-Scammer?

An der Kontaktaufnahme: Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Scammer an Mailadressen. Eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat dient als Lockmittel. Da die Betrüger oft mit deutschen Mailadressen arbeiten, ist selten ersichtlich, dass sich hinter den netten Zeilen ein Scammer verbirgt. Finger weg von Chatnamen mit ungewöhnlichen Zeichen (z.B. Prozentzeichen) – diese verschicken Schad-Software.

An der Sprache: Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Rund 95 Prozent der englisch sprechenden Kontakte auf deutschen Dating-Seiten könnten Romance- oder Love-Scammer sein. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.

An den Bildern: Die Bilder sind unscharf und in sehr kleiner Auflösung ins Internet gestellt, da sie gestohlen wurden. Ausnahme: Scamm-Frauen locken bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie leicht bekleidet zu sehen sind.

Am Inhalt der Mails: Scammer überhäufen ihre Opfer schon nach dem ersten Kontakt mit ellenlangen Briefen voller schwülstiger Liebesschwüre. „Daran sind sie leicht zu erkennen“, so Reuter. Wichtig: Die Scammer bezeichnen ihre neuen Partner schon bald als „Ehemann“ oder „Ehefrau“ und schmieden Heiratspläne. Deswegen scheint die Bitte um ein Visum oder ein gemeinsames Konto gerechtfertigt.

An Verbindungen nach Westafrika/Russland/Südostasien: Ob Geschäftsreise oder familiäre Probleme, es gibt vielfältige Gründe für eine Verbindung nach Nigeria oder Ghana. Scamm-Frauen leben oft in osteuropäischen/südostasiatischen/südamerikanischen Ländern.

An Bitten um Geld/Visum/Päckchen- oder Briefversand/gemeinsames Konto: Das Opfer wird um Geld gebeten. Weigert es sich, Geld zu schicken, fordern Betrüger auf, gefälschte Schecks in Deutschland einzuzahlen. Momentan sehr stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einer Einladung nach Deutschland. Die Betrüger wollen nicht nur auf Kosten ihrer Opfer leben, sondern auch weiterhin im Auftrag der Nigeria Connection tätig sein. Die Betrüger schaffen es, die Opfer für ihre Zwecke zu missbrauchen. Diese sollen Briefe oder Päckchen an dritte Personen verschicken. Scam-Frauen erbetteln sich häufig Einladungen nach Deutschland. Oft geben die Betrüger vor, ein gemeinsames Konto eröffnen zu wollen und bitten um Kopien von Ausweisen. Die Daten werden zur Fälschung von Pässen genutzt.

Tipp: Geben Sie den Namen der Internetbekanntschaft mit dem Zusatz „Scammer“ in einer Suchmaschine ein. Dies kann in vielen Fällen den Verdacht bestätigen.

Was tun, wenn ich gescammt werde? Brechen sie sofort jeden Kontakt ab. Keine Mails, keine Anrufe des Scammers mehr entgegennehmen. Am besten ist es, sich eine neue Mailadresse und Telefonnummer zuzulegen. Eine Gefahr besteht auch für Freunde im sozialen Netzwerk und für alle Kontakte im eigenen Mailadressbuch. Die Täter schicken mit ihren Mails meist einen Computervirus mit. Dieser scannt die Daten im Mailadressbuch und erlaubt die Kontrolle über den Rechner ihrer Opfer.

Ignorieren: Nicht auf Forderungen des Scammers eingehen. Auf keinen Fall Geld überweisen, Schecks einlösen oder Briefe und Päckchen weiterleiten – und auch nicht aufbewahren. Geleistete Zahlungen, wenn noch möglich, sofort rückgängig machen.

Sichern: Speichern Sie alle Mails und Chat-Texte als Beweis auf einer CD-ROM ab. Heben Sie Überweisungsbelege auf. Wenn Sie es nicht selbst können, dann lassen Sie sich von computererfahrenen Bekannten den E-Mail-Header auslesen. Daran erkennen Sie, woher die Mail geschickt wurde. Selbsthilfeseiten im Internet erklären ebenfalls, wie Sie sich vor größerem Schaden schützen können.

Löschen: Nach dem Sichern löschen Sie alle Beweisdaten von Ihrer Festplatte. Vergessen Sie nicht, auch den E-Mail-Account zu löschen.

Hilfe holen: Gehen Sie zur Polizei. Die Strafverfolgung solcher Täter ist zwar enorm schwierig, weil sie aus dem Ausland agieren. Dennoch sollten Sie den Vorfall auf jeden Fall melden. Das ist besonders wichtig, wenn Banken danach strafrechtliche Schritte gegen die Opfer unternehmen wollen, die unwissentlich gefälschte Schecks eingereicht haben.

Von Matthias Jansen

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