Anteil bei schweren Unfällen im Bereich Wittingen, Brome und Hankensbüttel hoch

Risikogruppe junge Fahrer

Gerade bei jungen Autofahrern ist das Unfallrisiko hoch.
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Gerade bei jungen Autofahrern ist das Unfallrisiko hoch.

Landkreis Gifhorn. Ein 17-Jähriger aus Vorsfelde ist am Sonnabend bei einem Baumunfall L 291 zwischen Barwedel und Tiddische schwer verletzt worden: Der junge Mann war laut Polizei gegen 22 Uhr mit einem VW Golf Variant in Richtung Barwedel unterwegs.

In einer leichten Rechtskurve fuhr er geradeaus und kam aus ungeklärter Ursache von der Fahrbahn ab. Dabei touchierte er eine Straßenlaterne und fuhr frontal gegen einen Straßenbaum. Der Wagen wurde komplett zerstört. Der Unfallfahrer kam vorsorglich per Rettungswagen zur Untersuchung ins Klinikum Wolfsburg. Da der Golf-Fahrer Alkohol getrunken hatte und keinen Führerschein vorweisen konnte, erwartet ihn nun ein Strafverfahren.

Dies ist kein Einzelfall: Seit Jahren versucht die Gifhorner Polizei die schweren Unfälle mit Toten und Schwerverletzten mit Beteiligung junger Autofahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren zu drücken. Drei Verkehrssicherheitsberater besuchen Gymnasien und Berufsschulen im Landkreis. Sie versuchen, das Bewusstsein der jungen Fahrer auf die Gefahren am Steuer wie Selbstüberschätzung sowie Alkohol und Drogen zu lenken. Fünf Beamte besuchen regelmäßig Fahrschulen. Sie zeigen den angehenden Fahranfängern zum Teil ziemlich schockierende Unfallvideos. „Unsere Kollegen werden beispielsweise regelmäßig in der Drogenerkennung fortgebildet“, sagt Polizeisprecher Thomas Reuter.

Zwar seien erste Erfolge der beharrlichen Polizeiarbeit zu registrieren, aber der Anteil der schweren Unfälle, an den junge Fahrer beteiligt sind, ist nach wie vor dramatisch hoch – besonders im Nordkreis.

„An 60 schweren Unfällen, die wir im vergangenen Jahr im Landkreis Gifhorn aufgenommen haben, waren 140 Menschen beteiligt. 30 von ihnen waren zwischen 18 und 24 Jahren alt“, sagt Reinhard Preuß, Sachbearbeiter Verkehr bei der Gifhorner Polizei. Das macht einen Anteil von 21,4 Prozent aus. Zum Vergleich: Der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik beträgt gerade mal 8,1 Prozent. Das zeige, dass das Unfallrisiko in dieser Altersgruppe nach wie vor extrem hoch sei, sagt Preuß. Ausgewertet hat Preuß auch die Statistik der schweren Unfälle, bei denen das Auto vor einem Baum landete. „Zwischen 2001 und 2006 waren mehr als die Hälfte junge Fahrer, die in einem Baumunfall verwickelt waren“, sagt Preuß. Auch hier sind die oben geschilderten Verhaltensmuster meist Ursache. Vor acht Jahren startete die Polizei eine spezielle Prävention gegen Baumunfälle. 2013 waren an 17 Baumunfällen im gesamten Landkreis 22 Personen beteiligt, zehn davon gehörten zur Gruppe der jungen Fahrer. „Unter die 50-Prozent-Marke sind wir gerutscht.“.

Im Bereich Wittingen, Brome und Hankensbüttel sieht es hingegen schlimmer aus. Bei 30 Baumunfällen zwischen 2011 und 2013 waren 16 junge Fahrer involviert. In die 58 schweren Unfälle im vergangenen Jahr im Nordkreis waren 27 Jugendliche aus besagter Altersgruppe verwickelt, berichtet Preuß.

Von Jens Schopp und Paul Gerlach

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