Reich an Erfahrungen

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In der Firma Gadhia Solar hat Eike Dudel viele nette Menschen kennengelernt, zu denen er den Kontakt halten möchte.

Gifhorn - Von Carola Peiser. Reich an Erfahrungen und Eindrücken kehrte Eike Dudel Anfang Januar aus Indien zurück. Grund für den dortigen Aufenthalt war ein sechsmonatiges Anerkennungspraktikum, das nach der zweijährigen Berufsfachschule für Nachwachsende Rohstoffe (Nawaro) an der BBS II absolviert werden muss.

Wie Klaus Krauth von der BBS II dem IK gegenüber erläutert, sei es etwas Besonderes, sein Anerkennungspraktikum im Ausland zu absolvieren. Die meisten Schüler bewerben sich im VW-Werk für den Bereich Kunststoff oder bei Betrieben, die sich mit Nawaro beschäftigen. Hinzu komme, dass Eike Dudel alles selbst organisiert hat.

Auf die Idee, ins Ausland zu gehen, kam Eike Dudel durch einen Lehrer, der ihm vorschlug, eine Versammlung des Internationalen Forschungszentrums für Erneuerbare Energien (IFEED) zu besuchen. „So habe ich von Mr. Gadhia und seiner Firma in Mumbai erfahren, die Solarkocher und -anlagen baut. Aber bis der Kontakt zustande kam, hat es zwei Monate gedauert.“ Erst nach acht Wochen, hat Gadhia auf die E-Mail des 21-Jährigen geantwortet. „Das Praktikum dort zu absolvieren war kein Problem, auch wenn Mr. Gadhia noch nie Schüler aus dem Ausland beschäftigte“, berichtet Dudel im IK-Gespräch. Immerhin hat die Firma Gadhia den größten Solarkocher der Welt gebaut.

Der Gifhorner berichtet von unterschiedlichen Eindrücken, die er gemacht hat. Zunächst war er in einer Firma beschäftigt, die etwa 200 Kilometer nördlich von Mumbai befindet, in Valsad. Dort, so Dudel, herrschten heftige Bedingungen. Es habe nicht oft Strom gegeben und das Wasser war durch den Monsunregen extrem mit Chemikalien, die Fabriken unachtsam entsorgen, verunreinigt. Viele Kinder leben in Gruppen auf der Straße. „Da gibt man Geld oder was zu Essen, dann fühlt man sich etwas besser. In Mumbai liegen sogar tote Menschen einfach so auf der Straße“, kann es der ehemalige BBS-Schüler noch immer nicht fassen. „Da merkt man erst, wie gut es einem geht.“

Aber auch die Zustände in der Firma - sowohl in Mumbai als auch in Valsad- waren katastrophal. „Per Mail informierte ich mich, was ich anziehen soll. Das war ganz neu für die, denn in Indien kennt man keine Sicherheitsschuhe und ich war der Einzige, der welche getragen hat. Die Mentalität ist eine andere, was das arbeiten betrifft. Die Menschen sind sehr bequem und wollen keine Verantwortung übernehmen“, so Dudel, der die ältere Generation eher als distanziert und unfreundlich und die jüngere als freundlich und auch westlich orientiert beschreibt. In den ersten Monaten war kein Student in der Firma, erst später. „Die waren in meinem Alter, in Indien kann man früher studieren. Das Arbeiten hat dann auch mehr Spaß gemacht, wir sind gemeinsame Projekte angegangen und ich habe im Elektrobereich einiges modernisiert“, berichtet der Gifhorner nicht ohne Stolz. Sein Arbeitstag umfasste 10 bis 11 Stunden. Fast immer war er der erste, der kam, und der letzte, der ging – manchmal auch sonntags, aber so konnte er Freizeit einarbeiten.

Einsam hat sich der Gifhorner so manches Mal in den sechs Monaten gefühlt. E-Mail-Kontakt mit der Familie war rar, von telefonieren ganz abgesehen.

Ein halbes Jahr hat Eike Dudel seinen sechsmonatigen Aufenthalt in Indien vorbereitet und trotz der Erfahrungen ist sich Dudel sicher: „Den ersten Praktikumsausflug empfehle ich aber nicht in ein Dritte-Welt-Land. Vielleicht Europa, wo man zwischendurch auch mal nach Hause kann.“ Auch in Zukunft will er aber noch weiter Länder besuchen. Von der BBS nahm Eike Dudel an Austauschen mit Norwegen, Schweden und Taiwan teil. Seine Praktikumszeit in Indien finanzierten seine Eltern.

Am Mittwoch bekam Eike Dudel die Zulassung, in Wolfenbüttel Maschinenbau zu studieren. Und woher kommt das Interesse an Nawaro? „Man muss in die Zukunft sehen, Rohstoffe werden knapper. Das ist ein aktuelles Thema, um sich einzuarbeiten, schließlich fehlen in diesem Bereich noch Leute.“ Auch Krauth weiß: „Deutsche Firmen expandieren in Indien, Du bist derzeit der Einzige, der dort Erfahrungen gesammelt hat.“

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