„Die wahren Wächter“

Regionen wappnen sich für Endlager-Diskussion – auch Gifhorn

Arbeitsmaschinen stehen im Erkundungsbergwerk Gorleben hinter einer Absperrung. Der umstrittene Standort ist aus dem Rennen. Foto: dpa
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Arbeitsmaschinen stehen im Erkundungsbergwerk Gorleben hinter einer Absperrung. Der umstrittene Standort ist aus dem Rennen. Foto: dpa

Isenhagener Land – In einer ersten Reaktion auf die Veröffentlichung der 90 Teilgebiete, in denen ein Atommüll-Endlager möglich sein könnte, betont der Landkreis Gifhorn, dass damit noch keine Entscheidung gefallen ist: „Es ist wichtig zu unterscheiden, dass ein in Frage kommendes Teilgebiet nicht gleich bedeutend mit dem Endlagerstandort ist“, erklärt Landrat Dr. Andreas Ebel.

45 Landkreise und kreisfreie Städte in Niedersachsen sind von den Teilgebieten, die bei der Endlagersuche weiter geprüft werden, betroffen. Darunter auch der Landkreis Gifhorn (siehe Seite 1). In der Kreisverwaltung will man nun die Unterlagen des BGE analysieren. Ebel: „Wir können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine endgültige Einschätzung dazu treffen und werden uns jetzt intern mit den Zwischenergebnissen beschäftigen.“

Dass auch Wesendorf auf der Liste möglicher Endlagerstätten auftaucht, bereitet Samtgemeindebürgermeister René Weber keine Sorgen, wie er auf IK-Anfrage erklärt: „Ich kann mir das kaum vorstellen.“ Die Platzsituation nördlich Wesendorfs böte sich dafür einfach nicht an. „Außerdem liegt mit Teichgut ein künftiges Landschaftsschutzgebiet im Norden.“ Er glaubt daher nicht, dass in Wesendorf ein Atommüllendlager eingerichtet werden wird.

Imke Byl, Landtagsabgeordnete der Grünen, sieht in den betroffenen Regionen „die wahren Wächter“ der Endlagersuche: „Wir Grünen werden sie unterstützen, damit alle Kriterien wirklich berücksichtigt werden und negative Befunde nicht unter den Tisch fallen.“

Ihr Parteikollege Christian Schroeder aus Rade hat angesichts der gestern veröffentlichten Zwischenergebnisse den Eindruck, dass das Verfahren „nicht so transparent ist, wie immer gesagt wird“. Die bundesweite Landkarte mit teils sehr großen Flächen anstelle von konkreten Standorten hält er für unübersichtlich. Zudem seien durch das bereits beschlossene Aus für den Standort Gorleben „auch schon politische Entscheidungen drin“. Wer Gorleben streiche, müsse auch viele der Gebiete streichen, die nun noch im Rennen sind. Er bleibe bei seiner Überzeugung, dass sich Salzstöcke geologisch nicht als Endlager eignen. Dass die im Nordkreis gelegenen Teilgebiete Wittingen und Vorhop sehr lange im Auswahlverfahren bleiben werden, glaubt Schroeder nicht – da sprächen Aspekte wie Wohnbebauung und Trinkwassergewinnung dagegen.

Wittingens Stadtbürgermeister Andreas Ritter sieht auch für ein Endlager bei Vorhop keine hohe Wahrscheinlichkeit: „Das würde mit der dortigen Erdölgewinnung konkurrieren.“ Bei Waddekath müsse man wohl – unter den in der hiesigen Region gelegenen Standorten – die größten Realisierungschancen befürchten. Erstaunlich sei, dass Gorleben schon ausgeschieden ist. Die Stadt Wittingen werde nun „ihre Hausaufgaben machen“ und auf allen Ebenen nach Informationen suchen. VON HOLGER BODEN UND DENNIS KLÜTING

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