Andreas Oswaldt hält Vortrag

Rechtsextremismus im Fokus: Wenn Musik mörderisch wird

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Groß war das Interesse an dem Vortag und der Diskussion über das Thema Rechtsradikalismus.

Gifhorn – Bis auf den letzten Platz besetzt war die Cafeteria der BBS I in Gifhorn. Grund war Andreas Ostwaldt, Polizeibeamter beim Staatsschutz der Präventionsstelle politisch motivierte Kriminalität des Landeskriminalamts, der einen Vortag über Rechtsradikalismus hielt.

Eingeladen waren nicht nur die Schüler, auch viele Erzieher und andere Berufstätige sowie Ostwaldts Kollegen vom Gifhorner Staatsschutz waren unter den Zuhörern.

„Wir sind eine Schule gegen Rassismus, und daher war es auch der Wunsch der Schüler nach einer solchen Informationsveranstaltung“, erklärte die Organisatorin, Yvonne Bünger-Ernstson, Abteilungsleiterin für die Bereiche Pflege und Sozialpädagogik. Im November hatte es bereits eine Infoveranstaltung über Salafismus gegeben, weitere Veranstaltungen gegen Links- und Rechtsextremismus sowie wiederum Salafismus werden im November folgen, sagte Bünger-Ernstson.

„Unsere Schüler sind Multiplikatoren und haben damit eine große Verantwortung. Mit solchen Veranstaltungen wollen wir ihnen Erklärungen und Strategien an die Hand geben, wie man Extremismus erkennt und wie man damit umgeht.“ Denn so gebe es auch Vorfälle im Bereich der Altenpflege, wo es zu chauvinistischen, rassistischen und antisemitischen Äußerungen komme. „Davon sind unter anderem die internationalen Schüler betroffen“, erklärte Bünger-Ernstson.

Musik als auslösendes Mittel

Ostwaldt ging nicht nur auf die Ausprägungen, sondern vor allem auch auf Methoden der Rechtsextremisten ein. Musik sei da ein ganz großer Bereich. „Gewaltverherrlichende Texte machen etwas mit einem. Man kommt aus so einem Konzert anders heraus, als man hineingegangen ist“, erklärte Ostwaldt. „Musik ist vor kurzem erstmals von einem Richter als tatauslösendes Mittel für einen Mord benannt worden, weil ein Mensch von Besuchern eines derartigen Konzerts ermordet wurde“, nannte er als Beispiel.

Alles kann man nicht verbieten

Auch vermeintlich harmlos aussehende Symbolfiguren wie der „Abschiebbär“ der inzwischen verbotenen Gruppierung mit dem nicht extremistisch klingenden Namen „Besseres Hannover“ seien Beispiele, zudem gebe es zahlreiche Musiker, Modelables oder Symbole aus dem rechtextremistischen Bereich, die zum größten Teil verboten seien. Dennoch könne man nicht alles verbieten, denn die Rechtsextremisen zeigten sich auch sehr kreativ, um ihre Botschaften zu vermitteln, sagte Ostwaldt.

Ganz machtlos sei der Staat allerdings nicht. Sollte jemand etwa die Reichskriegsflagge hissen, die nicht verboten sei, dann könne man das durchaus untersagen, sofern sich die Nachbarschaft gestört fühle. Auch auf bestimmte Codes sollte man achten. „168:1“ etwa werde von Rechtsextremisten für einen Terroranschlag in Amerika mit 168 Opfern verwendet, die 1 stehe für den rechtsextremistischen Täter, der danach zum Tode verurteilt worden sei.

„Wenn Sie weitere Fragen haben oder Hilfe benötigen, können sie sich jederzeit an uns oder die Kollegen vom Staatsschutz in Gifhorn wenden“, bot Ostwaldt seine Hilfe an.

VON BURKHARD OHSE

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