„Frauen werden zur Ware degradiert“

Projekt sozialdiakonische Straßenarbeit kämpft gegen Prostitution

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Mit zwei Veranstaltungen wollen die Vertreterinnen von SoDiStra und ihren Mitstreiterinnen auf Frauen in der Prostitution aufmerksam machen.

Gifhorn – Auch wenn man weniger Wohnmobile vor allem an der B 188 sieht, die Prostitution findet dennoch überall statt, auch im Kreis Gifhorn. „Mit der Prostitution werden Frauen zur Ware degradiert – sie verkommen zum Strichcode“, sagt die Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Christine Gehrmann.

Sie will mit Gabriele Pöllet und Katrin Schultze vom Projekt sozialdiakonische Straßenarbeit (SoDiStra), das bei Life Concepts angesiedelt ist, den Landfrauen und der Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinde Meinersen, Natascha Heumann, sowie Liane Jäger vom Präventivteam der Polizei auf das Thema aufmerksam machen.

Dazu finden am 28. Februar und am 11. September, jeweils um 19 Uhr im Rittersaal des Gifhorner Schlosses, zwei Veranstaltungen statt, die die Problematik in den Blick nehmen.

„Wir besuchen die Prostituierten im Landkreis regelmäßig, bringen Kaffee, Tee, Kekse, Kosmetik oder Zeitschriften in ihren Sprachen mit, sind Ansprechpartner und bieten Unterstützung“, erklärt Pöllet. „Man sieht die Wagen, aber weniger die Frauen darin oder dahinter“, fügt Gehrmann dazu. „Woher kommen sie, wer sind sie?“ Daher soll das Thema in die Gesellschaft gebracht werden, denn man habe als Gesellschaft eine Verantwortung für die Frauen, so Gehrmann weiter.

„Man sieht den Frauen an, dass die Arbeit sie zerstört. Jeden Tag zwölf Stunden im Wohnmobil, keine Bewegung, keinen Ausgleich, keine sozialen Kontakte außer mit Kolleginnen, die aber eher Konkurrentinnen sind“, erklärt Pöllet. Und nicht wenige stehen unter Psychopharmaka, wie Jäger anfügt. „Die Hemmschwelle wird immer niedriger, und die Gewaltbereitschaft auch. Schon Zwölfjährige haben die Möglichkeit, Gewalt-Pornos im Internet zu konsumieren.“ Vor allem Jugendliche wachsen so in dem Bewusstsein auf, dass diese Frauen jederzeit verfügbar sind.

Sie kaufen sich Sex, ohne nachzudenken, was das für diese Frauen bedeutet, die nicht selten auch gezwungen werde, sagt Gehrmann. Junge Frauen werden oft unter Vortäuschung falscher Tatsachen nach Deutschland gelockt, vor allem aus Osteuropa oder Afrika. Aufräumen wolle man auch mit Mythen, etwa dass es weniger sexuelle Übergriffe gebe, da es Prostitution gebe. „Das ist nicht der Fall“, bekräftigt Gehrmann.

VON BURKHARD OHSE

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