Neues Abholsystem für den Landkreis Gifhorn wird diskutiert

Problem: Sperrmülltourismus

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In der Diskussion: Im Landkreis Gifhorn könnte die Sperrmüllabfuhr auf ein Abrufsystem umgestellt werden.

Landkreis Gifhorn. An den Straßen stapeln sich alte Tische, abgewetzte Sessel, Schränke ohne Schubladen, hier und da steht eine Couch auf dem Rasen. Ebenfalls am Straßenrand: parkende Kleintransporter. Sperrmülltourismus ist ein großes Problem im Landkreis Gifhorn.

Nun wird die Umstellung auf ein neues System diskutiert, das dem Einhalt gebieten könnte.

„Eine Begleiterscheinung der Sperrmüllsammlung zu festen Terminen ist das Absuchen des herausgestellten Sperrmülls nach Gegenständen, die in irgendeiner Weise noch verwertbar sind oder Wertstoffe enthalten“, teilte Kreisrat Detlev Loos auf IK-Anfrage mit. „Hierbei gab es bereits seit Längerem Beschwerden von Bürgern über den Suchverkehr von Kleintransportern durch Wohnstraßen, die zu Belästigungen führten.“ In verschiedenen Gemeinden des Landkreises habe es Lagerplätze der Sperrmüllsammler gegeben, die Erfahrungen seien allerdings durchaus unterschiedlich gewesen.

In der Politik und Verwaltung des Landkreises wird seit einiger Zeit über die Frage diskutiert, ob die Sperrmüllabfuhr auf ein Abrufsystem umgestellt werden soll. Eine Entscheidung hierüber wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte getroffen werden. Denkbar wäre eine Umstellung mit dem Jahr 2018. Bei einem Abrufsystem tritt der Bürger mit seinem Wunsch nach Sperrmüllabfuhr per Post, Telefon oder E-Mail an das beauftragte Unternehmen heran. Von dort erhält er dann einen Termin, zu dem der Sperrmüll abgeholt wird. Dabei werden Abfuhrrouten zusammengestellt, um die Abfuhrorte zu verbinden.

Gifhorns Polizeisprecher Thomas Reuter bestätigte im IK-Gespräch, dass im Umfeld der Sperrmüllsammlungen eine Zunahme krimineller Aktivitäten zu verzeichnen ist. „Aber nicht nur während der Sammlungen, sondern auch noch ein, zwei Wochen danach“, sagte Reuter. „Das führt zu der Annahme, dass der Sperrmülltourismus von einigen auch als Gelegenheit genutzt wird, Einbruchsziele auszubaldowern.“

Ein weiteres Problem sei es, dass der Sperrmüll, der als noch verwertbar angesehen wird, nicht einfach nur mitgenommen wird. „Der wird nur vorerst mitgenommen, hinterher wird dann oft an einem Sammelplatz aussortiert“, sagte Reuter. „Die Beseitigung der Hinterlassenschaften kostet allein für die Stadt Gifhorn 20 000 bis 30 000 Euro pro Jahr.“ Daher würde die Polizei die Umstellung auf eine individuelle Abholung begrüßen.

„Natürlich hat ein solches System auch so seine Nachteile“, räumte der Polizeisprecher ein. „Es ist weniger umweltfreundlich, weniger Sperrmüll wird wiederverwendet.“ Allerdings würden die Vorteile aus seiner Sicht deutlich überwiegen. Die Umstellung auf ein neues Abholsystem muss nun im Fachausschuss und im Kreistag thematisiert werden.

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