NDR berichtet über Daten-Skandal

Privatdaten landen in Weyhausen im Rathaus-Müll

Brisante Dokumente gehören geschreddert.
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Brisante Dokumente gehören geschreddert.

Weyhausen. Gibt es den nächsten Skandal im Landkreis Gifhorn? Ein Bürger aus dem Boldecker Land hat vor kurzem im Papiercontainer des Samtgemeinderathauses in Weyhausen äußerst brisante Dokumente gefunden – und diese einem Fernsehsender zukommen lassen.

Wie dem IK bekannt ist, handelt es sich unter anderem um einen Personalausweisantrag mit persönlichen Daten.

Samtgemeindebürgermeister Lothar Leusmann befand sich zu diesem Zeitpunkt im Urlaub. „Am 11. Mai hatte ich meinem ersten Arbeitstag und bekam prompt einen Anruf vom NDR. Erst da habe ich von der Sache erfahren. Die haben mich um ein Interview gebeten. Fakt ist: Das Ganze hätte nicht passieren dürfen, weil solche Unterlagen geschreddert gehören oder gesammelt und von einem Spezialunternehmen entsorgt werden“, bedauert Leusmann gestern im IK-Gespräch. Kurz darauf habe sich auch der Landesdatenschutzbeauftragte beim Samtgemeindebürgermeister gemeldet.

„Wenn meine Amtszeit nicht sowieso zu Ende wäre, würde ich zurücktreten. 23 Jahre bin ich nun im Amt und nun passiert zum Schluss so etwas“, bedauert Leusmann. Er selbst könne sich nicht erklären, wieso die Unterlagen ungeschreddert im Container gelandet seien. Jeder Mitarbeiter habe eine Datenschutz-Schweigepflicht unterschrieben. „Ich weiß nicht, was bei jedem einzelnen Mitarbeiter auf dem Schreibtisch passiert. Normalerweise werden Personalausweis-Unterlagen online bearbeitet und gar nicht erst ausgedruckt.“ Von einer vorsätzlichen Handlung geht Leusmann zunächst nicht aus, allerdings wundert er sich über einige dubiose Umstände: „Zunächst einmal finde ich es befremdlich, dass ein Bürger in einem Container wühlt, der sich auf einem Privatgelände befindet. Und dann erwarte ich, dass man sich an mich wendet und nicht an Funk und Fernsehen“, zeigt Leusmann Unverständnis. Dass so etwas kurz vor der Wahl passiere, habe für einen kleinen Beigeschmack gesorgt.

Heute will Leusmann eine Dienstbesprechung einberufen. Obwohl sich der Container normalerweise nicht so einfach öffnen lässt, hat Leusmann diesen mit einer Kette sichern lassen. „Nun heißt es abwarten, was der Landesdatenschutzbeauftragte sagen wird, nachdem er die Unterlagen gesichtet hat“, so der Samtgemeindebürgermeister. Außerdem wurden sechs weitere Schreddergeräte bestellt, so dass jeder Mitarbeiter einen am Schreibtisch stehen habe.

Von Carola Hussak

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