Polizei: Komasaufen rückläufig / Anti-Alkohol-Wettbewerb für Schüler

Präventive Präsenz bei Partys

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Die ganz heftigen Trinkexzesse bei Partys sind laut Polizei auf dem Rückzug – die DAK will dennoch mit der Aktion „bunt statt blau“ vor dem Komasaufen warnen. 

Landkreis Gifhorn. Erfreuliche Tendenz beim so genannten Komasaufen: Nachdem kürzlich schon das Statistische Landesamt rückläufige Zahlen für den Landkreis Gifhorn gemeldet hatte, sieht auch die Polizei eine gute Entwicklung bei dem jahrelang zunehmend gravierenden Problem.

„Die ganz, ganz krassen Ausfallerscheinungen beobachten wir kaum noch“, sagt Polizeisprecher Thomas Reuter.

Kamen in früheren Jahren schon mal 13-Jährige stracks ins Krankenhaus, weil sie nach übermäßigem Alkoholkonsum nicht mehr stehen konnten, so hat es so etwas in diesem Alter letztes Jahr nach Kenntnis der Polizei nicht mehr gegeben. Die Besserung führt Reuter darauf zurück, dass die Ordnungshüter ihre (präventive) Präsenz bei Partys stark ausgeweitet haben.

Und das sieht so aus, dass Jugendliche auf Partys in Schützenhäusern oder anderen Locations fest damit rechnen dürfen, dass im Laufe des Abends oder der Nacht mal eine Streifenwagenbesatzung vorbeischaut. Insbesondere bei Events, die früher für Alkohol-Exzesse berüchtigt waren – etwa Himmelfahrt am Gifhorner Schlosssee oder School’s Out – hat die Polizei den Kontrolldruck erhöht.

Wer dann schon „zuviel hat“, wird vor weiterer Einnahme von Alkoholika bewahrt – oder, wenn der Zustand schon bedenklich erscheint – mit auf die Dienststelle genommen. Die Eltern werden dann um Abholung gebeten, und etwas später folgt auf der Wache ein „erzieherisches Gespräch“, wie Reuter es nennt. Mit Erziehungsberechtigten.

Ein weiterer Faktor ist die über Jahre gewachsene Kooperation der Polizei mit den Veranstaltern beim Thema Alkoholmissbrauch. Dass sich das für letztere lohnt, habe sich, so Reuter, „inzwischen herumgesprochen“.

Dennoch: Noch 2015 landeten kreisweit 57 Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus, das sind die jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes. Bundesweit waren es 22 000. Auch für die DAK in Gifhorn ist jeder Fall von Komasaufen im Landkreis einer zu viel – die Krankenkasse ruft deshalb auch dieses Jahr zur Kampagne „bunt statt blau“ auf. Gesucht werden die besten Schüler-Plakate gegen das Kampftrinken.

Der Wettbewerb für Schüler von 12 bis 17 Jahren soll auf kreative Art die Gefahren von Alkohol verdeutlichen und wird von Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt unterstützt. Alle Schulen im Landkreis Gifhorn können bis zum 31. März teilnehmen. „Eine regionale Alkoholprävention ohne erhobenen Zeigefinger bleibt für uns unverzichtbar“, sagt DAK-Sprecherin Lena Voges. Rundt weiß: „Viele Jugendliche überschätzen sich und glauben, Alkohol gehöre zum Feiern und Spaß haben dazu. Mit ihren Plakaten bekennen junge Künstler Farbe. So kommen Schüler und Lehrer beim schwierigen Thema Alkoholmissbrauch neu ins Gespräch.“

Details zum Wettbewerb: www.dak.de/buntstattblau.

Von Holger Boden

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