Gericht: Nach Angriff auf Katze in Gifhorn hat Tierhalterin Anrecht auf 4000 Euro

Polizeihund beißt Katze – Land zahlt

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Für die Attacke eines Polizeihunds auf eine Katze in Gifhorn fallen dem Land jetzt reichlich Kosten an.

red/bo Gifhorn/Hildesheim. Die 7. Zivilkammer des Landgerichts Hildesheim unter Vorsitz des Vizepräsidenten Reinald Bever hat mit Urteil vom gestrigen Freitag (Az. 7 S 144/16) der Eigentümerin eines Katers Schadensersatz wegen der Verletzung durch einen Polizeihund zugesprochen.

Die in Gifhorn wohnende Klägerin ist Eigentümerin des inzwischen betagten, 14 Jahre alten Familien-Katers „Tiger“. Das beklagte Land Niedersachsen ist Halter des polizeilichen Diensthundes „Chuck“.

Mit letzterem ging die Ehefrau eines beim Land beschäftigten Polizeibeamten im Juni 2015 in der Nähe des Grundstücks der Klägerin „Gassi“. Dort witterte der Polizeihund den Kater, überwand die Mauer zum Grundstück und ging zum Angriff über. Durch Bisse erlitt der Kater „Tiger“ diverse Verletzungen, unter anderem eine Rippenfraktur sowie eine Öffnung der Bauchdecke mit Austritt von Darmschlingen. Mehrere Operationen in einer Kleintierklinik in Braunschweig wurden erforderlich.

Insgesamt liefen Kosten in Höhe von über 4000 Euro auf. Das beklagte Land zahlte nur rund die Hälfte des Betrages mit dem Argument, die Kosten seien im Hinblick auf Alter und Wert des Katers zu hoch.

Die 7. Zivilkammer des Landgerichts Hildesheim unter Vorsitz des Vizepräsidenten Reinald Bever hat nun – wie bereits das Amtsgericht Gifhorn in erster Instanz – der Eigentümerin den vollen Schadensersatzbetrag zugesprochen und die Berufung des Landes zurückgewiesen. Im Fall der Verletzung eines Tieres gelte angesichts der herausgehobenen Anerkennung des Tierschutzes durch die Rechtsordnung (Artikel 20a des Grundgesetzes), dass die aus der Heilbehandlung des Tieres entstandenen Aufwendungen nicht bereits dann unverhältnismäßig seien, wenn sie dessen Wert erheblich überstiegen. Es verbiete sich eine streng wirtschaftliche Betrachtungsweise. Das Risiko, dass die Behandlungskosten vorab nicht genau zu bestimmen seien, trage überdies der Schädiger.

Die Klägerin müsse sich insbesondere auch kein Mitverschulden entgegenhalten lassen, urteilte das Gericht: Kater „Tiger“ befand sich zum Zeitpunkt des Angriffs nach den Feststellungen der Kammer friedlich und nichtsahnend auf „seinem“ Grundstück und musste mit einen Übergriff durch einen vierbeinigen Bediensteten des Landes Niedersachsen nicht rechnen.

Wie viel Geld die beiden Gerichtsverfahren den Steuerzahler gekostet haben, steht noch nicht fest. Ein Sprecher des Landgerichts teilte gestern auf IK-Anfrage mit: „Das Kostenfestsetzungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Dieses schließt sich dem eigentlichen Klageverfahren an. Die genaue Kostenhöhe lässt sich erst nach Abschluss bestimmen.“

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