Gespräch über Rassismus-Debatte und andere Themen

Politik besucht Polizei

Bürgermeister Matthias Nerlich (2.v.l.) und die Bundestagsabgeordnete Ingrid Pahlmann (3.v.l.) zu Besuch bei der Polizeiinspektion Gifhorn.
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Bürgermeister Matthias Nerlich (2.v.l.) und die Bundestagsabgeordnete Ingrid Pahlmann (3.v.l.) zu Besuch bei der Polizeiinspektion Gifhorn.

Gifhorn – Kaum eine Institution steht derzeit so im Fokus der Öffentlichkeit wie die Polizei. Seien es die Corona-Pandemie, Demonstrationen, Krawalle oder die jüngste Rassismus-Debatte.

Die Bundestagsabgeordnete Ingrid Pahlmann (CDU) aus Wilsche und Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich statteten der Polizeiinspektion Gifhorn gestern Nachmittag einen Besuch ab, um sich über die gegenwärtige Lage ein Bild zu machen.

Polizeichef Thomas Bodendiek, Polizeirätin Christin Bartels, Pressesprecher Thomas Reuter und zwei weiteren Kollegen empfingen den Besuch freundlich, aber mit dem nötigen Abstand. Pahlmann wollte wissen, wie es mit der Zusammenarbeit zwischen Politik und Polizei vor Ort klappt, denn in der Bundeshauptstadt ticke die Uhr wohl doch etwas anders. Während es in Berlin fast täglich Übergriffe und Anfeindungen gegen die Polizei gibt, wollte sie als Parlamentarierin der Polizei in Gifhorn den Rücken stärken. „Wer in unserem Land für Recht und Ordnung zuständig ist, hat auch Wertschätzung und Anerkennung verdient“, so Pahlmann.

Pahlmann: Studie unnötig

Im Gegensatz zu den USA muss ein Polizist in Deutschland ein dreijähriges Studium abschließen, um im Einsatz bestehen zu können. In Amerika dauert die Ausbildung 19 Wochen. Nach den Krawallen in den USA nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd schwappte die Rassismus-Diskussion auch auf Deutschland über. Nachdem SPD-Chefin Saskia Esken einen „latenten Rassismus bei der Polizei“ unterstellt hatte, wurde eine heftige Debatte ausgelöst. Die Bundesregierung will daher mögliche rassistische Tendenzen in der Polizei wissenschaftlich untersuchen lassen. Pahlmann äußerte sich dahingehend, dass sie großes Vertrauen in die Polizei setze und es keiner solchen Studien bedürfe, die möglicherweise für Unruhen sorgen.

Pressesprecher Reuter äußerte sich auch als Vertreter des Personalrats und sagte, Rassismusvorwürfe in der Polizei, seien eine Stigmatisierung einzelner Berufsgruppen und führten zu Irritationen. Die Gewerkschaft der Polizei spreche sich für die Studie aus, wenn man dadurch nachweisen könne, dass es keinen Rassismus in der Polizei gebe.

Übereinstimmend wurde festgestellt, das Gifhorn ein gutes Pflaster mit einem angenehmen Umfeld sei. „Wir wollen, dass auch bei uns diskutiert wird. Und wenn wir ein Problem hätten, würden wir es auch ansprechen“, so Bodendiek. Und: „Wir wollen nicht, dass es gesellschaftsfähig wird, sich darüber zu äußern, was nicht gesellschaftsfähig ist.“

Während der noch laufenden Corona-Pandemie hätten auch die Krisenstäbe von Polizei, Feuerwehr, Landkreis und DRK hervorragende Arbeit geleistet, hieß es. Allerdings wurde nach den Worten des Polizeichefs auch festgestellt, dass das Denunziantentum phänomenal zugenommen hat. „Jeder, der andere denunziert, sollte auch mal auf sich selbst schauen“, sagte Pahlmann, und Bodendiek fügte hinzu, „dass in jedem Menschen auch ein kleiner Schutzmann steckt“.

Nerlich: Augenmaß gewahrt

Nerlich begrüßte die gute Zusammenarbeit zwischen Ordnungsamt und Polizei während der Biker-Demo am Sonntag in Gifhorn. Als völlig unerwartet über 1000 Demonstranten auf dem Gifhorner Marktplatz waren, habe man das Augenmaß gewahrt und entsprechend bei kleineren Verstößen ein Auge zugedrückt.

Abschließend wurde gestern auf die zunehmenden Straftaten im Internet hingewiesen. Die Leiterin des zentralen Kriminaldienstes, Polizeirätin Bartels, gab einen Einblick in ihre Arbeit und warnte vor zunehmender Cyberkriminalität und Kinderpornografie. Pahlmann unterstützt nach eigenen Angaben die Gesetzesinitiativen, härtere Strafen für die Täter zu verhängen und zollte Bartels hohen Respekt für die aufwändige Arbeit und den persönlichen psychologischen Druck bei der Ermittlung der Straftaten.

Bodendiek empfing die Gäste erstmals in den neuen Räumen der Polizeiinspektion an der Hindenburgstraße und zeigte sich mit der Erweiterung des Gebäudes sehr zufrieden. Rund 300 Mitarbeiter aus allen Bereichen arbeiten dort unter seiner Führung. VON SIEGFRIED GLASOW

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