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Pflegeheime im Landkreis Gifhorn ächzen unter Auflagen

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Von: Burkhard Ohse

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Tobias Heilmann (v.l.), Heike Schwedthelm, Rolf Amelsberg, Jens Fieser und Marion Moring stehen vor Plakaten des Landkreises Gifhorn.
Tobias Heilmann (v.l.), Heike Schwedthelm, Rolf Amelsberg, Jens Fieser und Marion Moring sind im Gespräch mit den Landtagsabgeordneten über die Situation in der Pflege. © Burkhard Ohse

Gifhorn – „Wir sind im ständigen Austausch mit den Heimleitungen“, sagt Landrat Tobias Heilmann. Kürzlich habe es zudem einen runden Tisch mit den beiden direkt gewählten Landtagsabgeordneten, den Heimleitungen und der Landkreisverwaltung darüber gegeben, was mit nach Hannover in den Landtag getragen werden kann. Denn, so fügt Kreisrat Rolf Amelsberg hinzu, auf Landkreisebene könne man wenig machen. „Viele Sachen, wie etwa bei der Corona-Pandemie, werden vom Land entschieden.“

Zweieinhalb Stunden Austausch habe es mit den Heimleitungen und den Abgeordneten gegeben, wobei alles auf den Tisch kam, „was drückt und drängt“. „Das ist ein gutes Format, was wir fortsetzen werden“, so Amelsberg. Auch Heike Schwedthelm, bei der Verwaltung unter anderem für die Heimaufsicht zuständig, bestätigt, dass dem Landkreis bei vielen Dingen die Hände gebunden sind. Sie verweist vor allem auf die Diskrepanz hin, wie die Pandemie gesehen wird. „In den stationären Einrichtungen gibt es Corona nach wie vor. Geht man nach draußen, ist die Pandemie angeblich vorbei.“ Die Auflagen in den Pflegeheimen blieben. Tägliche Testpflicht, einrichtungsbezogene Impfpflicht bis mindestens Ende des Jahres und die Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen, seien immer noch vorgeschrieben. „Das können wir den Leuten kaum noch verkaufen, wenn man dann vollbesetzte Fußballstadien sieht“, sagt Schwedthelm. Auch die Absonderung bei einer Infektion, die außerhalb der Heime fünf Tage dauert, ist im Heim auf 14 Tage festgelegt. Nicht nur das führe zu schwierigen Diskussionen mit Heimbewohnern und deren Angehörigen.

Zudem drückt die Heimbetreiber der extreme Pflegekraftmangel und die schleppende Akquise ausländischer Pflegekräfte. Zwar gibt es die sogenannte Rotgangstudie, benannt nach einem Wissenschaftler, der sich für mehr Pflegehilfskräfte ausspricht. Doch das ist eine Kann-Bestimmung, die in Niedersachsen nicht angewendet wird, die aber die Versorgung verbessern würde. „Auch das haben wir den Landtagsabgeordneten mitgegeben, dass das im Land umgesetzt werden darf“, sagt Schwedthelm. Ebenso ist die Belastung, acht Stunden eine FFP2-Maske zu tragen, groß, fügt Jens Fieser vom Fachbereich Soziales hinzu. Zwar sei nach 75 Minuten eine 30-minütige Pause vorgeschrieben, doch das sei gar nicht machbar. Das alles, so Marion Moring, ebenfalls vom Fachbereich Soziales, führe dazu, dass viele Pflegekräfte sich anderweitig beruflich orientieren. Und es fehlten Azubis und Nachfolger, der Zeitarbeitsmarkt sei leergefegt, neue Einrichtungen kämen dazu.

„Der Landkreis ist in einem Zwiespalt. Einerseits müssen wir die Versorgungsicherheit garantieren, andererseits auf die Einhaltung der Vorschriften achten. Wir fühlen uns verpflichtet, den Einrichtungen vor Ort Hilfe zukommen zu lassen, aber müssen auch darauf achten, dass nicht unter den Standards gearbeitet wird“, sagt Amelsberg. Derzeit gibt es 2150 vollstationäre Pflegeplätze, von denen aber 390 wegen Personalmangel nicht besetzt sind. Dagegen steht eine Warteliste von Personen für diese Plätze. Von den kreisweit 25 Einrichtungen sind 13 betroffen, die Plätze wegen Personalmangels frei lassen müssen. Vor Corona waren es drei bis vier. „Mehr als die Hälfte der Einrichtungen sucht also Personal“, so Amelsberg. Seit 2020 gibt es den generalistischen Ausbildungsgang, und im letzten Ausbildungsjahr findet die Spezialisierung statt. „Wir sind gespannt, wie viele sich da auf die Pflege spezialisieren“, sagt der Kreisrat. Unterstützung für Auszubildende gebe es durch die Stipendien vom Landkreis, sagt Heilmann. Zudem investiere der Landkreis viel Geld in den neuen Campus für Pflege an den BBS I. Die drei Ausbilder, außer den BBS I noch die Oskar-Kämmer-Schule und die Pflegeschule am Helios-Klinikum, stünden in engem Kontakt mit den Pflegeheimträgern.

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