„Passt vorn bis hinten nicht“

Pflegebetriebe in der Region Gifhorn machen ihrem Ärger über Refinanzierung Luft

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Gerade in der ambulaten Pflege klagen die Betriebe über Lohnunterschiede und den daraus resultierenden Fachkräftemangel. 

Landkreis Gifhorn / Braunschweig – Viele Pflegebetriebe der Region wollen die Situation in der Pflege nicht weiter hinnehmen: Besonders in der ambulanten Pflege würden die steigenden Kosten durch die Kassen nicht refinanziert, seit Jahren würden bei Löhnen nur minimale Steigerungen anerkannt.

Nun wollen die Betriebe mit einem offenen Brief, einer Postkarten-Aktion sowie einer Demonstration in Hannover ihrem Ärger über die Missstände Luft machen.

Bettina Tews-Harms, Geschäftsführerin des Pflegedienstes.

„Schon seit Jahren sind die Löhne in Niedersachsen 20 Prozent niedriger als in den anderen alten Bundesländern“, erklärt Bettina Tews-Harms, Geschäftsführerin des Pflegedienstes. Auch sie beteiligt sich mit ihrem Unternehmen an der Aktion, die die Arbeitsgemeinschaft der Braunschweiger Sozialstationen ins Leben gerufen haben. „Nun haben auch die anderen Länder nachgezogen – Niedersachsen ist Schlusslicht.“ Die bisherigen Steigerungen würden „vorne bis hinten nicht passen“, schon seit Jahren nicht. Die Folge: Personalabwanderung und Fachkräftemangel. Daher fordern die Pflegebetriebe eine Lohnsteigerung von 18 Prozent. „Die Krankenhäuser bekommen diese Kosten seit Jahren voll refinanziert, stationäre Pflegeeinrichtungen mittlerweile auch“, führte Tews-Harms aus. „Daher können die auch ganz andere Gehälter zahlen und werben den ambulanten Einrichtungen die Pflegekräfte ab. Dadurch ist es eskaliert.“

Mit der Protestaktion wollen die Betriebe darauf aufmerksam machen, dass ambulante Pflege in Niedersachsen abgehängt wird. Sie fordern neben der höheren Vergütung auch eine umfassendere Übernahme der Kosten, da nötige Maßnahmen sonst gar nicht mehr geleistet werden könnten und Patienten zu früh in stationäre Betreuung gehen müssten. Auch müssten die Wegepauschalen erhöht werden.

Der offene Brief, in dem die Betriebe ihren Unmut über die Lage ausdrücken, wird begleitet von 20.000 Postkarten mit unterschiedlichen Motiven. Die unterschriebenen Karten werden dann gesammelt und bei einer Pflege-Demonstration am 18. Juni an den niedersächsischen Landtag übergeben.

VON DENNIS KLÜTING

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