Gifhorner BBS II und chinesisches College kooperieren bei beruflicher Ausbildung

Partner im Reich der Mitte

Kooperationspartner des Kreises Gifhorn: Das Liaoning Engineering Vocational College in Tieling zählt etwa 4000 Studenten.

Landkreis Gifhorn/Tieling. Die Berufsbildenden Schulen (BBS) II des Landkreises Gifhorn gehen neue Wege bei der beruflichen Bildung – und zwar in Fernost.

Dazu haben sie jetzt eine Kooperationsvereinbarung mit dem Liaoning Engineering Vocational College in der nordchinesischen Stadt Tieling abgeschlossen. Das Ziel der künftigen Zusammenarbeit ist der Aufbau eines dualen Ausbildungssystems für den Beruf des Anlagenmechanikers.

Das Ziel ist die duale Ausbildung von Anlagenmechanikern in Fernost: Gifhorns Landrätin Marion Lau (sitzend) unterzeichnete jetzt gemeinsam mit dem chinesischen Schulleiter Wang Quantie den Vertrag zwischen den BBS II und dem College in Tieling. Fotos: privat

Gifhorns Landrätin Marion Lau und BBS-II-Leiter Klaus Röhr waren jetzt acht Tage zu Gast in Tieling und schlossen den zunächst auf drei Jahre befristeten Vertrag mit dem chinesischem College ab. Auch BBS-Lehrer Heinrich Meyer und Hermann Butting, geschäftsführender Gesellschafter der Butting-Gruppe, gehörten zur Delegation aus dem Kreis Gifhorn. „Die Chinesen haben ein Riesen-Interesse am dualen Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild“, sagt Röhr. Denn eine Verzahnung zwischen Berufsschule und Betrieb gibt es im Reich der Mitte bislang nicht. Mit der dualen Ausbildung von Anlagenmechanikern soll es im chinesischen Partner-College, das rund 4000 Studenten zählt, losgehen. Später sollen die Berufe Kfz-Mechatroniker und Elektroniker hinzukommen.

Das Ziel ist, die Kammerprüfung nach deutschem Vorbild abzulegen. „Das war den Chinesen sehr wichtig“, sagt Röhr. Dazu ist ein regelmäßiger Austausch von Lehrkräften und Schülern geplant. Die BBS II werden das gemeinsame Ziel unter anderem mit der Bereitstellung von Wissen im Bereich Metalltechnik unterstützen.

Von der Kooperation profitieren nach den Worten des BBS-Leiters nicht nur die chinesischen Partner, sondern alle Seiten. „Wir bereiten als Europaschule junge Menschen auf den internationalen Arbeitsmarkt vor. Das bedeutet für die Schüler, zu wissen, wie es in anderen Ländern aussieht“, sagt Röhr. Dem kann sich Landrätin Lau nur anschließen. Im Zuge der Globalisierung müssten die Schüler über den Tellerrand schauen, betont sie. „Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir auf einer Insel leben.“

Auch die Firma Butting, Hersteller von Edelstahlrohren, Rohrleitungen und Behälterbau mit Hauptsitz in Knesebeck, verspricht sich viel von der Kooperation mit Tieling. „Unser Fortschritt basiert auf gut ausgebildeten Mitarbeitern“, sagt Hermann Butting. Der Start der dualen Ausbildung in China eröffne dem Unternehmen die Chance, versierte Fachkräfte für sein derzeit 100 Mitarbeiter zählendes Werk in Tieling zu bekommen. Dadurch würden die Voraussetzungen geschaffen, um langfristig und nachhaltig zu investieren. Doch Hermann Butting hat noch ein weiteres Anliegen: „Wir möchten den Chinesen rüberbringen, dass der Facharbeiter – wie bei uns in Deutschland – einen gesellschaftlichen Stellenwert hat.“

Von Bernd Schossadowski

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