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Ostermarsch in Gifhorn: Der Krieg und die Ratlosigkeit

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Von: Burkhard Ohse

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Ostermarsch durch Gifhorns Innenstadt
Rund 80 Teilnehmer nahmen am Ostermarsch in Gifhorn teil. Erst gab es Auftaktreden, dann ging es für die Teilnehmenden durch die Innenstadt. © Privat

Der Gifhorner Ostermarsch am Karsamstag hatte nicht nur die weltweite Abrüstung zum Thema, sondern auch den aktuellen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.

Gifhorn – Versammlungsleiter Jörg Prilop erinnerte auf dem Schillerplatz vor rund 80 Teilnehmern aus Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und Organisationen zudem auch andere, weniger im Rampenlicht stehende Kriege in Syrien, Äthiopien, den kurdischen Regionen, der Westsahara oder dem Jemen.

Prilop konzedierte, dass es bei den Rednern ganz unterschiedliche Meinungen darüber gebe, wie man vor allem mit dem Krieg in der Ukraine umgehen sollte. „Russische Truppen raus aus der Ukraine und Aufklärung aller Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, forderte Prilop, der den „fürchterlichen Angriffskrieg und Putins Lügen und Propaganda“ geißelte und sich gegen Rassismus und Verschwörungserzählungen wandte. „Durch Waffen erzeugter Frieden ist nicht von Dauer“, sagte er. „Krieg zerstört die Zukunft. Und Krieg nimmt Geld weg vom Kampf gegen Hunger, Armut, Pandemie oder Klimakrise.“ Er fordert Solidarität für alle, die sich gegen „Heldentum, Größenwahn oder Rassismus“ engagieren.

Zum Ausmaß der Waffenlieferungen an die Ukraine gab es auf dem Schillerplatz unterschiedliche Meinungen. So forderte Valentina Dovhopola, Vorsitzende des Freundeskreises der ukrainischen Partnerstadt Korssun, schwere Waffen für ihre Landsleute. „Unsere Männer kämpfen gegen die russischen Aggressoren“, erklärte sie und dankte, dass sie und viele weitere ukrainische Frauen und Kinder in Gifhorn aufgenommen wurden. Sie könne nicht verstehen, dass so viele Menschen von Russen ermordet und vergewaltigt würden. „Wenn wir nicht untergehen wollen, brauchen wir Waffen. Helft uns mit Waffen und wir werden in diesem schrecklichen Krieg siegen.“

Gabriele Camstein und Hubert Schipmann vom Braunschweiger Friedenszentrum mussten feststellen, dass „unsere Bemühungen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen, fehlgeschlagen“ seien. Sie stellten die Frage, ob ein Krieg verhindert worden wäre, wenn die Ukraine stärker aufgerüstet gewesen wäre. Zudem präsentierten sie ihre Version einer zivilen Sicherheitspolitik, die bis zum Jahr 2040 verwirklicht werden soll. Dazu gehörten ein fairer Lebens- und Wirtschaftsstil, ökologisch, sozial und wirtschaftlich gerechte Außenbeziehungen, eine internationale Sicherheitsarchitektur und eine Konversion der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie sowie Investitionen in eine starke UNO- und OSZE-Präsenz. „Wir müssen Sicherheit neu denken“, sagte Schipmann. Gewalt funktioniere nicht, Gewaltfreiheit schon eher bei Krisensituationen.

Über die direkten Kriegsthemen hinaus forderten die Redner eine „gleichberechtigte Aufnahme“ aller Geflüchteten. Gunter Wachholz vom DGB nannte den Krieg gegen die Ukraine einen „beispiellosen Angriff auf die europäische Friedensordnung“. Er forderte den russischen Präsidenten Putin auf, den Krieg sofort zu beenden. Ermutigend sei, dass sich die EU diesmal einig sei, die Grenze für Geflüchtete offen zu halten. Dank sagte er allen Gifhornern, die sich für die Geflüchteten einsetzen.

Kritik gab es von einem Vertreter der Linkspartei für das geplante Sondervermögen für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro. Denn das sei ohne Meinungsbildungsprozess über Nacht beschlossen worden. Das Geld könne man besser in das Klima und Soziales investieren, so der Redner. Roland Bursian vom Bündnis für Solidarität kritisierte diejenigen, die Putin unterstützen. Das seien Autokorsos mit russischen Fahnen und Teile der AfD. Gerade Rechtsradikale hätten gute Verbindungen zum Kreml. Auch Firmen zeigten sich als Putin-Versteher und profitierten auf wirtschaftlicher Ebene.

Er stellte die Frage in den Raum, was moralisch geboten sein, und ob Aufrüstung den Krieg beende oder künftige Konflikte verhindere: „Für die Erwartungen der Menschen haben auch wir in der Friedensbewegung keine Antwort.“

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