Polizei nimmt Tatverdächtige in Gifhorn fest / Angeblich Komplizen misshandelt

Online-Betrug in großem Stil

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Umfangreiches Beweismaterial gegen drei mutmaßliche Internet-Betrüger, darunter Unterlagen eines virtuellen Reisebüros, entdeckte die Polizei jetzt bei Durchsuchungen in Gifhorn.

Gifhorn. Sie haben nach Polizeiangaben einen 21-jährigen Gifhorner entführt, gefesselt, zusammengeschlagen, ihm das Handy, Portmonee und Netbook abgenommen und versucht, Geld von ihm zu erpressen.

Jetzt haben Ermittler der Gifhorner Polizei zwei 28 und 48 Jahre alte Männer aus Gifhorn festgenommen. Die beiden sitzen inzwischen in Untersuchungshaft und gehören laut Polizei zu einem Betrüger-Trio.

Am vergangenen Freitag gegen 18.50 Uhr meldete sich über Notruf der 21-Jährige aus einem Baumarkt und teilte mit, dass er von zwei Männern unter einem Vorwand entführt und in eine Halle in Gifhorn verschleppt worden sei. Dort habe man ihn an einen Stuhl gefesselt, geschlagen und von ihm 80 000 Euro gefordert. Schließlich hätten die Täter ihn mit dem Hinweis auf zwei Stunden Bedenkzeit zurückgelassen. Der Mann habe sich jedoch befreien und die Polizei alarmieren können.

Bei den Ermittlungen stellte sich jedoch heraus, dass der 21-Jährige zusammen mit den beiden anderen Tatverdächtigen im Internet ein virtuelles Reisebüro aufgebaut hatte, erklärt Jürgen Schmidt, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizei Gifhorn. Das Büro habe unter dem Namen eines bekannten Reiseveranstalters aus dem Landkreis Gifhorn firmiert und Kreuzfahrten zu günstigen Preisen angeboten. In der Gifhorner Innenstadt hätten die Männer Büroräume als Geschäftsadresse angemietet, um einen seriösen Anschein zu erwecken.

Tatsächlich hatten 15 gutgläubige Kunden bereits Reisen gebucht und bezahlt. Die Gelder sollen über das Konto einer Finanzagentin geflossen sein, die es an die Tatverdächtigen weitergeleitet habe. „Allerdings kam es dann offensichtlich zu Unstimmigkeiten zwischen den Verdächtigen“, so Schmidt. Die beiden Älteren glaubten, dass der 21-Jährige, der die gesamte Abwicklung im Internet erledigte, allein abkassieren wollte. Das war nach den Worten von Schmidt vermutlich der Grund, weshalb der junge Mann nach eigenen Angaben misshandelt und erpresst wurde.

Ermittler nahmen die beiden mutmaßlichen Täter noch am Abend in Gifhorn fest. „Die dem 21-Jährigen abgenommenen Gegenstände wurden bei ihnen sichergestellt“, berichtet Schmidt. Der 28-Jährige habe zwischenzeitlich ein umfassendes Geständnis abgelegt, „und auch der 48-Jährige ist teilgeständig.“ Dagegen ist der 21-Jährige derzeit auf freiem Fuß.

Bei Durchsuchungen sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, das nun ausgewertet werde. Die Polizei habe Daten von bislang etwa 180 Personen gefunden, die sich für Online-Reisen des Trios interessierten. Zur Gesamtschadenshöhe kann die Polizei noch keine Angaben machen.

Von Bernd Schossadowski

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