Investitionen in Recycling nötig – aber Entwarnung bei Gifhorner Müllgebühren

Ohne China wird’s teurer

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Bleiben künftig wohl vermehrt im Lande: die Gelben Säcke.

Landkreis Gifhorn. China will keinen Plastikmüll mehr importieren – diese Meldung kam kurz vor dem Wochenende, und Greenpeace erwartet in einer ersten Reaktion „Schockwellen rund um den Globus“.

In der Tat dürfte das Wegbrechen des wichtigen Absatzmarktes für (meist minderwertige) Altkunststoffe auch gravierende Folgen für die deutsche Abfallwirtschaft haben. 

Höhere Müllgebühren drohen den Haushalten im Landkreis Gifhorn deshalb offenbar nicht. Doch könnte die neue Situation erhebliche Investitionen in das bestehende Kreislaufsystem nötig machen – und der Kunde könnte das an der Ladenkasse spüren.

Bei den Müllgebühren, die die Haushalte an den Landkreis zahlen, geht es zum großen Teil um die Kosten für die Entsorgung des Restmülls. Mehr als 40.000 Tonnen davon haben die Bürger im Kreisgebiet 2016 produziert, nach China wird davon nichts verschifft: Der hiesige Restmüll wird im Müllheizkraftwerk Rothensee bei Magdeburg thermisch verwertet – also verbrannt. Der Landkreis hat darüber langfristige Verträge abgeschlossen, der chinesische Importstopp habe darauf „keinen Einfluss“, sagt Kreisrat Detlef Loos.

Es geht also um den künftigen Umgang mit Wertstoffen, wie sie derzeit im Gelben Sack landen. Die Entsorgung finanziert sich derzeit über Lizenzgebühren, die von den Unternehmen gezahlt werden, deren Verpackungen über das duale System recycelt werden – oder eben in China landen. Zur Größenordnung: 3,1 Millionen Tonnen Plastikverpackungen fielen 2016 bundesweit an, 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff landeten im Reich der Mitte. Die Bürger des Landkreises Gifhorn steuerten über ihre Gelben Säcke rund 6000 Tonnen bei.

Branchenexperten sehen angesichts der chinesischen Entscheidung ein Absatzproblem für die Recyclingbranche – und rufen nun nach der Etablierung einer Kreislaufwirtschaft, die den Namen verdient. In diesen Chor stimmt auch Michael Schneider ein, Sprecher des Entsorgers Remondis – des Unternehmens, das im Landkreis Gifhorn den Müll abholt: Der chinesische Importstopp könne „auch eine Chance sein“.

Schneider sieht die Lösung des Absatzproblems in höheren Recycling-Quoten sowie der Einführung von Verwendungsquoten. Damit gelange man zu einer echten stofflichen Verwertung – und damit auch zu einer Stärkung des rohstoffarmen Standorts Deutschland. Voraussetzung seien bessere Sortieranlagen: „Da muss Geld in die Hand genommen werden.“

Geld, das über höhere Produktpreise ins duale System fließt? Da bleibt abzuwarten, welche Lösungen Politik und Abfallbranche finden. Und der Industrie müsste schmackhaft gemacht werden, die in der Regel teureren recycelten Wertstoffe gegenüber Primär-Rohstoffen wie Erdöl vorzuziehen. Für Antworten und eine konkrete Einschätzung der finanziellen Folgen sei es noch „ein bisschen früh“, sagt Schneider. Klar sei aber auch, dass dem Verbraucher künftig noch deutlicher gemacht werden muss, dass das Sortieren von Abfällen nicht vergeblich ist – denn Fehlwürfe machen das Recycling noch teurer.

Von Holger Boden

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