Aufstockung der städtischen OHU-Anteile denkbar / Perspektiven für Wittingen-Celle?

OHE: Rückzug aus Hafen-Umschlag?

Holzumschlag gestern an der Wittinger Kaikante. Die OHU wirft für die Stadt derzeit Gewinne ab.
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Holzumschlag gestern an der Wittinger Kaikante. Die OHU wirft für die Stadt derzeit Gewinne ab.

Wittingen/Celle. Die OHE will sich möglicherweise von ihren Anteilen an der Osthannoverschen Umschlagsgesellschaft (OHU) trennen, die das Umschlagsgeschäft im Wittinger Hafen betreibt.

Möglich, dass die Stadt Wittingen, bisher zu einem Drittel beteiligt, in diesem Zuge ihre Anteile aufstockt. Das verbleibende Drittel wird derzeit von dem Logistiker Rhenus gehalten.

Im Wittinger Rathaus weiß man von den Überlegungen bei dem Celler Transportunternehmen. „Die Stadt und Rhenus hätten ein Vorkaufsrecht“, sagt Stadtbürgermeister Karl Ridder. Das in den vergangenen Jahren gewachsene Hafengeschäft ist für Wittingen nicht nur aus standortpolitischen Erwägungen wichtig und interessant – es wirft auch Einnahmen ab. In den vergangenen zwei Jahren sind nach Ridders Angaben rund 150 000 Euro von der OHU an die Stadt ausgeschüttet worden.

Der FWG-Politiker Friedrich Lührs, der den Gesellschafter Stadt Wittingen bei der OHU vertritt, sagt, die Stadt wolle im Falle eines Anteilsverkaufs durch die OHE „nicht in die Minderheit geraten“. Ein denkbares Szenario sei es, die Anteile zu gleichen Teilen zwischen Rhenus und der Stadt aufzuteilen, es gebe bereits eine entsprechende „Willensbildung“.

Wolfgang Kloppenburg, seit 1. Juli neuer Vorstandsvorsitzender der OHE und damit Nachfolger von Wolfgang Birlin, bestätigt Gespräche über einen Rückzug aus dem Wittinger Hafengeschäft: „Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren wollen – und wir sind nicht die absoluten Hafenspezialisten.“ Daher werde die OHE sich „nicht verschließen, wenn wir jemanden finden, der das übernehmen will“. Es müsse, so der 59-Jährige, von der Strategie und vom Preis her passen, und: „An diesen Dingen arbeiten wir.“

Die OHE gehört zur Netinera Deutschland GmbH, welche wiederum zu einem Konsortium unter Führung der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato Italiane gehört. Nach eigenen Angaben ist der OHE-Mutterkonzern drittgrößtes Verkehrsunternehmen Europas.

Die OHE konnte in den vergangenen Jahren Erfolge im Personenverkehr auf der Schiene verbuchen, vor allem mit den Bahn-Gesellschaften Metronom und Erixx. Kloppenburg sagt denn auch: „Wir konzentrieren uns auf den Schienenpersonennahverkehr und auf den ÖPNV.“

Aufmerksam verfolgt man in der Celler Zentrale auch die Pläne der Landesregierung für die Reaktivierung von Bahnstrecken. Könnte vor diesem Hintergrund die Strecke Celle-Wittingen für die OHE wieder interessant werden? Eine Strecke, die als Keimzelle des Unternehmens gilt, das aus der 1902 gegründeten Kleinbahn Celle-Wittingen hervorging, und die eigentlich 2016 sogar auch für den Güterverkehr geschlossen werden sollte? Kloppenburg beantwortet die Frage nicht mit Ja – aber auch nicht mit Nein: „Das ist eine positive, interessante Entwicklung. Man sollte aber nicht zu viel Euphorie wecken. Man muss zurzeit abwarten und schauen, wie die Rahmenbedingungen aussehen werden.“ Ob die Strecke überhaupt zum Zuge komme, sei noch völlig offen und liege nicht in der Hand der OHE.

Von Holger Boden

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