Explodierende Preise und fehlendes Personal

Kreis Gifhorn: ÖPNV-Ausbau gefährdet

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Dr. Norbert Wolff erläuterte die Pläne für den neuen Nahverkehrsplan des Regionalverbandes Großraum Braunschweig. 

Gifhorn – „Der Nahverkehrsplan (NVP) des Regionalverbandes Großraum Braunschweig ist in Arbeit“, erläuterte Verkehrsentwicklungsplaner Dr. Norbert Wolff beim Kreis-Verkehrsausschuss in Gifhorn. Sofern alles geklärt ist, soll er ab dem 1. Januar 2020 gelten.

„Wir müssen dazu neun NVP der einzelnen Kommunen des Großraumverbands unter einen Hut bringen“, erklärte Wolff. Damit soll gleichzeitig der ÖPNV in der Region weiterentwickelt werden, zu dem nicht nur Bus und Bahn, sondern sämtliche weitere Bedienformen des Verkehrs gehören. Auch der Haltestellenausbau gehört dazu. Bis zum 1. Januar 2022 müssen alle Haltestellen, die Wege dorthin sowie die Informationen an den Haltstellen barrierefrei sein.

Explodierende Kosten, fehlendes Personal

Problematisch sei, wie beim Straßenbau, dass derzeit „die Preise explodieren“, sagte Wolff. So werde es nicht nur teurer, sondern auch immer schwieriger, entsprechende Baufirmen zu finden. Sogar für die Planungsarbeiten sei es problematisch, Personal zu finden. „Dabei ist ein massiver Ausbau nötig“, sagte Wolff. Denn die Bundesregierung habe beschlossen, die ÖPNV-Fahrgastzahlen zu verdoppeln. Ein wichtiges Kriterium bei der Findung von Betreibern sei zudem, dass Werkstätten für Wartungsarbeiten in der Nähe seien. „Kein Betreiber fährt hier, wenn die Werkstatt in Hamburg ist“, erklärte Wolff. Daher sei man darauf bedacht, Flächen für Werkstätten in der Region vorzuhalten.

Von Zielen noch weit entfernt

Insgesamt sei man von den formulierten Zielen, vor allem auch beim Mobilitätsmanagement und dem Marketing, noch weit entfernt, konzedierte er. Angestrebt sei für die großen Hauptstrecken Hannover-Gifhorn-Wolfsburg sowie Uelzen-Gifhorn-Braunschweig ein Halbstundentakt zu den Hauptverkehrszeiten. Allerdings sei gerade die Strecke Wolfsburg-Gifhorn sehr stark durch den Fernverkehr belastet, zudem fehle in Hannover dafür ein drittes Gleis. Zumindest ein Stundentakt sei in Nord-Süd-Richtung ab Dezember 2020 in Sicht, weil der Rötgesbüttler Bahnhof bis dahin für einen Begegnungsverkehr „endlich“ erweitert sein soll. Außerdem prüfe man eine Elektrifizierung der Strecke von Braunschweig nach Uelzen. Durch eine Reduzierung der nicht gesicherten Bahnübergänge wolle man für mehr Sicherheit sowie für eine größere Geschwindigkeit auf der Strecke sorgen.

Modernisieren oder Neubau

Der Bahnhof in Triangel soll 500 Meter vom heutigen Standort neu erbaut und der Bahnhof in Wahrenholz für Begegnungsverkehr ausgebaut werden. Die Bahnhöfe in Meinersen, Meine, Knesebeck, Vorhop und Schönewörde sollen modernisiert werden, Isenbüttel einen neuen Bahnhof bekommen.

Für die Regiobusse im Kreis ist „mindestens ein Stundentakt“ geplant bis hin zum Viertelstundentakt, je nach Verkehrsaufkommen. „Die Regiobusse sind das Rückgrat des ÖPNV im Landkreis“, erklärte Wolff.

Ein Lob gab es vom Verkehrsentwicklungsplaner für die Politik. „Der Landkreis Gifhorn ist derjenige in der Region, der sich am intensivsten mit dem ÖPNV auseinandersetzt.“ Das Beteiligungsverfahren für die Kommunen sei sehr eng getaktet. Noch bis zum 6. September können die Gebietseinheiten Stellungnahmen abgeben. „Das ist sehr anspruchsvoll, wenn das bis in die Gemeinden geschieht“, so Wolff.

VON BURKHARD OHSE

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