Vielzahl von Baustellen und Straßensperrungen bereitet Autofahrern in der Region Kopfzerbrechen

Odyssee durch den Landkreis

Schuften bei 30 Grad: Arbeiter haben in Neudorf-Platendorf mit dem Bau der neuen Bushaltebuchten begonnen. Ab kommender Woche ist die Ortsdurchfahrt wegen der Fahrbahnsanierung voll gesperrt.

Wittingen/Gifhorn. Zaghaft rollt der graue Audi auf die rot-weiße Absperrung der Bundesstraße 4 am nördlichen Ortsausgang von Groß Oesingen zu. Dann öffnet sich das Seitenfenster des Autos, es folgt eine Zornesrede mit ausgeprägtem thüringischem Akzent.

„Das ist eine echte Katastrophe hier. Ich fahre ständig im Kreis herum. Wie komme ich denn von hier nach Lüneburg?“, fragt der entnervte Fahrer einen Passanten. GRZ steht auf seinem Autokennzeichen – der Mittdreißiger und seine beiden Begleiter kommen aus Greiz in Südthüringen und sind angesichts der neuen Verkehrsführung auf der B 4 ziemlich ratlos.

Endstation Groß Oesingen: Am Ortsausgang kurz vor der Raiffeisen-Tankstelle ist die Fahrspur der Bundesstraße 4 in Richtung Norden gesperrt. Nur die Gegenrichtung ist derzeit befahrbar.

Seit dieser Woche ist ein Teil der Hauptverkehrsader zwischen Gifhorn und dem Isenhagener Land nämlich wegen Fahrbahnarbeiten einseitig gesperrt. Gleich zweimal werden Autofahrer dabei ausgebremst: Zwischen Wagenhoff und der Abzweigung nach Ummern sowie zwischen der Tankstelle am Ortsausgang von Groß Oesingen und dem Großen Kain ist die B 4 in Richtung Norden nicht befahrbar. Nur die Fahrspur nach Süden ist frei, allerdings ist dort wegen der Bauarbeiten abschnittsweise lediglich Tempo 50 erlaubt. Wer aus Gifhorn in den Nordkreis fahren möchte, wird hinter Wagenhoff über die K 7 in Richtung Hankensbüttel umgeleitet – Staus sind dort zurzeit die Regel. Voraussichtlich noch bis zum 10. August soll die einseitige Sperrung andauern.

Und die verwirrt so manchen Autofahrer. Zum Beispiel das Trio aus Thüringen. „Wir wollen einen Kumpel in Hamburg besuchen und dort auf ein Metal-Konzert gehen“, erzählt der Fahrer und wischt sich bei 30 Grad im Schatten den Schweiß von der Stirn. „Aber unser Navi führt uns ständig in die Irre. Jetzt sind wir schon wieder in Groß Oesingen rausgekommen und wissen nicht mehr, wo es weitergeht.“ Dem Mann kann geholfen werden: Über Teichgut, Hankensbüttel und Repke führt die Ausweichstrecke bis zum Großen Kain. Von dort gelangen die drei Metal-Fans wieder auf die B 4 und von dort endlich ohne Behinderungen weiter nach Lüneburg.

Doch nicht alle Verkehrsteilnehmer beachten die Sperrung bei Groß Oesingen. Reihenweise umfahren Lastwagen und Autos die Kunststoff-Barriere an der Raiffeisen-Tankstelle und setzen ihre Tour verbotenerweise gen Norden fort. Wenn sie dabei von der Polizei erwischt werden, erwartet sie eine saftige Geldstrafe.

Aber auch in umgekehrter Richtung herrscht mitunter Chaos auf der B 4. Wer von Norden auf das Kreuz Ummern zufährt, muss erst einmal stutzen: Die rechte Spur ist von einer Absperrung blockiert, dahinter ist die Fahrbahndecke beidseitig auf einer Länge von etwa fünf Kilometern abgefräst worden. „Darf ich jetzt geradeaus weiterfahren?“, fragt ein Mercedesfahrer aus Hamburg eine Gruppe Biker, die nebenan auf einem Waldweg Pause machen. Der Chef der Motorradfahrer zuckt mit den Schultern: „Keine Ahnung, wir sind nicht von hier.“ Sicherheitshalber verkneift sich der Hamburger die Durchfahrt und biegt vor der Absperrung in Richtung Wesendorf ab. Dabei hätte er durchaus auf der linken Spur der B 4 weiter nach Süden fahren dürfen.

Und die Verkehrssituation im Landkreis Gifhorn wird sich demnächst noch verschärfen. Pendler aus Wittingen, die das Nadelöhr B 4 umgehen und stattdessen über Neudorf-Platendorf nach Gifhorn fahren wollen, schauen ab der kommenden Woche sprichwörtlich in die Röhre: Dann wird der dritte und letzte Abschnitt der Ortsdurchfahrt von Neudorf-Platendorf saniert, die Straße von Montag, 30. Juli, bis zum 11. August beidseitig gesperrt. Das gilt sowohl für den Durchgangs- als auch den Anliegerverkehr.

Zusätzliches Ungemach droht weiter nördlich. Die Landesstraße  286 zwischen Wittingen und Knesebeck wird wegen Fahrbahnarbeiten zwischen Ende Juli und Ende August vollständig gesperrt. Zurzeit erneuern Arbeiter die Gosse in Eutzen, der Verkehr wird einspurig mit einer Ampel an der Baustelle vorbeigeführt. Auch dort bilden sich regelmäßig Staus. Darüber hinaus ist die Kreisstraße 114 südöstlich von Gifhorn, die so genannte Tangente, seit dieser Woche wegen Sanierungsarbeiten nicht befahrbar. Doch VW-Beschäftigte können aufatmen: Der Verkehr in Richtung Wolfsburg wird über die L 292 umgeleitet.

Allerdings kommt es bald noch schlimmer: Auch die Fahrbahndecke der B 188 zwischen der Christinenstift- und der Dragenkeuzung in Gifhorn wird während der Sommerferien erneuert. „Die Arbeiten beginnen Anfang bis Mitte August und dauern etwa drei Wochen“, sagt Bernd Mühlnickel, Leiter des Geschäftsbereichs Wolfenbüttel der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Jedoch wird die B 188 in diesem Bereich nicht gesperrt. „In jede Richtung bleibt ein eingeengter Fahrstreifen erhalten. Der Verkehr wird ohne Ampel, aber mit reduzierter Geschwindigkeit an der Baustelle vorbeigeführt“, kündigt Mühlnickel an.

Eine zweispurige Verkehrsführung auf der B 4 würde sich auch das Trio aus Greiz wünschen. Weil es die aber nicht gibt, müssen die Thüringer notgedrungen den Umweg über Hankensbüttel und Repke fahren. „So ein Mist“, flucht der Fahrer, bevor er die Seitenscheibe wieder hochfährt und Gas gibt. „Dafür muss uns unser Kumpel in Hamburg aber wirklich eine Runde Bier ausgeben.“

Von Bernd Schossadowski

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