Oberschule begeistert Kreiselternrat nicht

bo Landkreis Gifhorn. Der Gifhorner Kreiselternrat (KER) ist offenbar nicht übermäßig angetan von der neuen Schulform, die die niedersächsische Landesregierung einführen will. Dies geht aus einem Schreiben hervor, das der KER jetzt an die vier Landtagsabgeordneten des Landkreises sowie an die Spitze der Kreisverwaltung und die Fraktionsvorsitzenden im Kreistag gerichtet hat.

Dort heißt es, der Landkreis Gifhorn sei aus Sicht des KER „ausreichend mit geeigneten Schulformen aufgestellt, so dass sich die Schulqualität mit der Einführung der Oberschule nicht entscheidend verbessern wird“. Der Elternbrief an die Politiker ist in diesem Sinne praktisch ein Plädoyer für die Einrichtung von mehr Integrierten Gesamtschulen (IGS) – und wendet sich gegen „ständige Neuerungen im Hauruckverfahren“.

Viele Eltern würden sich eine Schule wünschen, in der „alle Kinder über den 4. Schuljahrgang hinaus gemeinsam lernen, und zwar bis zum Abitur“, schreibt der KER. Die Erziehungsberechtigten würden diese Alternative zum gegliederten Schulsystem fordern, um die Schullaufbahn ihrer Kinder „möglichst lange offen zu halten und nach Abschluss der Sekundarstufe I alle Anschlussmöglichkeiten für eine weitere Ausbildung an allgemeinbildenden oder berufsbildenden Schulen zu haben“. Die Folge sei eine überwiegende Anmeldung der Kinder am Gymnasium oder an der IGS.

Nach Stand der Dinge – nach wie vor fehlt ein gültiges Oberschul-Gesetz – wird für den Haupt- und Realschulzweig einer Oberschule die Option freigestellt, ob Klassen jahrgangsübergreifend oder schulformbezogen gebildet werden. Ab Klasse 8 soll der schulformbezogene Unterricht überwiegen. Wird auch ein gymnasialer Zweig eingerichtet, dann werden die Gymnasiasten getrennt vom Haupt- und Realschulzweig unterrichtet.

Der Gesetzentwurf behandele die bestehenden Schulformen „ausgesprochen ungleich“, moniert der KER. Die IGS, aber auch die kleinen Schulsysteme, die sich nicht in eine Oberschule umwandeln wollen oder können, würden benachteiligt. Man wünsche sich daher „endlich eine ideologiefreie Auseinandersetzung mit unserem Schulsystem“.

Vor diesem Hintergrund fordert der Kreiselternrat, die Hürden für eine IGS-Gründung zu verringern und die Mindestzügigkeit auf vier, in Ausnahmefällen auch auf drei Züge zu senken. Auch eine IGS solle Haupt- und Realschule ersetzen können. Und: Allen Schulformen sollen die Mittel für den Ausbau zu gebundenen Ganztagsschulen zustehen.

Andere Schulformen, so der KER, dürften hinsichtlich der Klassenobergrenzen, der sozialpädagogischen Unterstützung, der Arbeitszeit und der Ausstattung mit Schulleiterstunden gegenüber Oberschulen nicht benachteiligt werden. Eine individuelle Prüfung der möglichen Standorte einer Oberschule im Landkreis Gifhorn.

Glatte Ablehnung der Oberschule kommt derweil vom niedersächsischen Landeselternrat, der sich durch das Prozedere der Regierungsfraktionen bei der Einbringung des Gesetzes ausgehebelt fühlt. Inhaltlich entspreche die Oberschule im Wesentlichen der Kooperativen Gesamtschule und stelle damit kein neues Bildungsangebot dar. In der Schulgesetznovelle vermisst der Landeselternrat zudem Aussagen zur Inklusion, in deren Rahmen etwa Förderschüler künftig Regelschulen besuchen sollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare