Schwarze Flecken: Für Brome reicht es nicht

Gifhorner Nordkreis bangt um Breitband-Quote

Eine Schnecke kriecht über eine Tastatur.
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Internet in nicht zeitgemäßem Tempo – viele Nordkreisler in den schwarzen Flecken fürchten derzeit, dass das so bleiben könnte.
  • Hilke Bentes
    vonHilke Bentes
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  • Holger Boden
    Holger Boden
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Isenhagener Land – In Brome ist es schiefgegangen – wird es auch im Rest des Nordkreises an der nötigen Quote für einen Breitband-Ausbau in den schwarzen Flecken fehlen? Bis zum 27. Mai läuft noch die Vermarktungsphase von Giffinet in der Stadt Wittingen sowie den Samtgemeinden Hankensbüttel und Wesendorf. Mit 25 Prozent war die Anschlussquote gestern von den nötigen 60 Prozent noch weit entfernt.

Damit scheinen die Befürchtungen wahr zu werden, die es in vielen Orten gerade bei jüngeren Menschen gibt: Nicht genügend Haushalte entscheiden sich für einen Glasfaseranschluss. Dagegen scheint auch nicht zu helfen, dass besorgte Bürger in manchen Dörfern in Eigeninitiative Überzeugungsarbeit zu leisten versuchen (das IK berichtete).

Bei Giffinet selbst ist man erstaunt über die bisher maue Resonanz. Dem Unternehmen zufolge sind die 60 Prozent Anschlussquote nötig, damit der „kostenintensive Bau“ der Leitungen und Anschlüsse realisiert werden kann. Während in Brome die Frist für eine Anmeldung verlängert worden war, gibt es diese Option für den Bereich Wittingen-Hankensbüttel-Wesendorf wohl nicht: „Wir befinden uns in der Endphase – eine Zeitraumverlängerung, wie im ersten Gebiet wird es hier vermutlich nicht geben, da der Zeitplan sonst nicht eingehalten werden kann“, betont Giffinet-Prokuristin Inga Lassen. Eine endgültige Entscheidung dazu solle es nächste Woche geben.

In den drei Gebietseinheiten geht es um rund 7000 Haushalte, die angesichts offiziell noch ausreichender Versorgung für eine Förderung als weißer Fleck nicht Frage kamen, aber nun im Zuge der privatwirtschaftlichen Erschließung durch Giffinet eine Chance auf zukunftssicheres Breitband hätten. Wittingens Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg (BA) beobachtet die aktuelle Zurückhaltung mit Unbehagen: „Wir wollen doch die Region ans Glasfasernetz kriegen. Erst haben alle laut nach den Anschlüssen gerufen, und nun?“ In Vorhop hat Rönnebergs Amtskollegin Christel Schirmer (CDU) den Eindruck, dass die allermeisten Bürger ihres Ortes die Chance erkannt haben: „Die Quote für Vorhop müsste eigentlich gut aussehen, aber wir machen ja insgesamt nur einen geringen Prozentsatz aus.“ Separat ausgewiesen wird die Zahl offiziell nicht. Schirmer zufolge haben auch viele ältere Bürger ihres Ortes sich überzeugen lassen, auch mit Blick auf die Wertsteigerung ihrer Immobilie. In Vorhop sei „frühzeitig über das Thema gesprochen worden“. Die Ortsbürgermeisterin denkt, dass der Zeitpunkt für die Vermarktung wegen der Corona-Regeln ungünstig ist, weil es keine größeren Präsenzveranstaltungen und nur wenig Mund-zu-Mund-Propaganda gibt.

So könnten also kleinere Orte das Nachsehen haben, wenn viele Menschen in größeren Orten auf Glasfaser verzichten. Giffinet hofft derweil noch auf Spätentschlossene und will seine Beratung in den nächsten Tagen noch einmal intensivieren – heute und am 26. Mai am E-Center Hankensbüttel, morgen und am 27. Mai am E-Center Wittingen (jeweils 9 bis 17 Uhr).

Könnte – wenn das mit der Quote tatsächlich nicht klappt – eine Chance in der jüngst vom Bund beschlossenen Ausweitung der Förderung liegen, die nun auch graue Flecken bis 100 MBit erfassen soll? Laut Lassen nicht mit Giffinet: „Wir selbst dürfen ein solches Förderprojekt nicht umsetzen. Daher haben bereits vorher den eigenwirtschaftlichen Ausbau angestrebt.“

Mit 43 Prozent hat Giffinet mit dem Vermarktungsgebiet 1 (Samtgemeinde Brome und Samtgemeinde Isenbüttel) das Ende der Vermarktungszeit erreicht – und damit nicht genug Haushalte für die benötigten 60 Prozent überzeugen können. Auch die Fristverlängerung hat daran nichts mehr ändern können. Für Tiddisches Bürgermeister Wieland Bartels eine herbe Enttäuschung: In seiner Gemeinde hatten sich weit mehr als 60 Prozent der Haushalte für den Glasfaserausbau entschieden. Das mache es noch frustrierender. Aber komplett will er die Hoffnung noch nicht aufgeben. „Wir suchen gerade händeringend nach Plan B.“

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