Tennet-Freileitung: Trassen-Suche in Region

Neue Stromautobahn durchschneidet wohl auch Landkreis Gifhorn

Der Suchraum für den Verlauf der neuen Stromtrasse (in Blau) und die bestehende Leitung (in Rot).
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Der Suchraum für den Verlauf der neuen Stromtrasse (in Blau) und die bestehende Leitung (in Rot).
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Landkreis Gifhorn/Krümmel – Sie wird 140 Kilometer lang, von Krümmel bei Geesthacht in Schleswig-Holstein bis nach Wahle (Kreis Peine) reichen und ein wesentlicher Transportkanal in Nord-Süd-Richtung sein: Der Netzbetreiber Tennet steht noch ganz am Anfang der Planungen, aber diese werden auf eine 380-Kilovolt-Strom-Freileitung hinausführen – die auch das Gifhorner Kreisgebiet auf einem großen Stück durchschneiden könnte (siehe Skizze).

Klar ist, dass Trassen den Strom aus Erneuerbaren Energien im Norden Deutschlands nach Süden bringen müssen. Klar ist auch, dass durch Ostniedersachsen im kommenden Jahrzehnt eine neue Trasse führen wird. Noch unklar ist aber der genaue Trassenverlauf: Der östliche Teil des Landkreises Celle ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem „Energiewende-Projekt“ (O-Ton von Tennet) in besonderem Maße – und wohl auch stärker als der Kreis Gifhorn – betroffen. Dies zeigt der Suchraum für die neue Trasse, aber vor allem der Verlauf der alten Leitung. In der hiesigen Region sind außerdem ein größerer Teil des Landkreises Uelzen mit dem Umspannwerk Stadorf, die Regionen Hannover und Braunschweig sowie der Kreis Peine betroffen.

Betrieb ab 2031 als Ziel

Bis das Ganze so weit ist, dauert es allerdings noch eine Weile: Die Inbetriebnahme der Leitung ist für 2031 geplant, der Bau in den Jahren 2027 (Abschnitt Süd) und 2028 (Abschnitt Nord). Bürgerinformationsveranstaltungen sind ab Mitte nächsten Jahres vorgesehen.

Das Vorhaben soll in einer bestehenden Trasse gebaut werden, heißt es seitens der zuständigen Bundesnetzagentur. Es bestehe aus den zwei Einzelmaßnahmen Krümmel – Lüneburg – Stadorf und Stadorf – Wahle. Realisiert werden soll es als Erdkabel. Das Vorhaben ist seit 2021 im Bundesbedarfsplan aufgelistet, mit Stand 30. Juni wurde aber bislang noch kein Genehmigungsverfahren beantragt. Im Januar hatte der Bundestag die Bundesbedarfsplangesetznovelle beschlossen und damit Tennet den gesetzlichen Auftrag erhalten, das Projekt zu realisieren.

Um die Öffentlichkeit schon frühzeitig mit einzubeziehen, wurden laut Tennet erste Gespräche mit Landkreisen, Städten und Gemeinden in einem Kommunaldialog über das Projekt geführt. Eine Baukosten-Schätzung liegt nach Informationen dieser Zeitung noch nicht vor.

Es steht noch nicht fest, was mit der alten, bestehenden Leitung auf der Route geschieht: Ihre momentane technische Ausstattung ist jedenfalls „nicht ausreichend, um den Anforderungen eines modernen Stromnetzes und der Energiewende gerecht zu werden“, sagt Peter Helms, Referent für Bürgerbeteiligung bei Tennet. Dies mache es nötig, die Übertragungskapazität zwischen Krümmel und Wahle zu erhöhen und zu verstärken sowie die dazugehörigen vier Umspannwerke anzupassen. Die bestehende Leitung hat eine Kapazität von 2700 Ampere, die geplante hat eine Stromtragefähigkeit von 4000 Ampere. Noch nicht entschieden ist, ob die alte Leitung anschließend zurückgebaut wird oder parallel in Betrieb bleibt. Die Bundesnetzagentur trifft diese Entscheidung voraussichtlich noch in diesem Jahr.

Schutzgüter im Fokus

Die Planfeststellungsverfahren für die beiden Bauabschnitte der neuen Stromtrasse sollen 2024 und 2025 eingeleitet werden. Tennet startet jetzt mit Voruntersuchungen zu Umweltbelangen und sogenannten Raumwiderständen wie Siedlungen und Naturschutzbelangen. Auch ein Bau direkt parallel zur Bestandsleitung werde geprüft, so Helms. Es müssten aber Schutzgüter nach heutigen Regeln berücksichtigt werden – etwa wenn die Leitung zu nahe an die Wohnbebauung heranrückt.

Tennet ist einer von vier großen Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland und deckt rund 40 Prozent der Fläche zwischen dänischer Grenze und den Alpen ab.

Kreisverwaltung über Vorhaben informiert

Der Landkreis Gifhorn wird seitens des Unternehmens Tennet über die Planungen für die neue Strom-Freileitung informiert. Das bestätigt die Kreisverwaltung auf IK-Anfrage. So seien alle betroffenen Kommunen zu einer ersten Informationsveranstaltung eingeladen worden. Für den Landkreis Gifhorn nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus den Fachbereichen Umwelt und Bauwesen teil.

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