Experte: Sozialkompetenz kann Cybermobbing verhindern / Vortrag bei KVHS

Ein Netz voller Gefahren

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Landkreis Gifhorn. Das Internet bietet nicht nur neue Chancen, es birgt auch Risiken. Zu einem Vortrag zum Thema Cybermobbing hatte daher die Kreisvolkshochschule (KVHS) Gifhorn eingeladen. „Mobbing ist für jeden ein bekanntes Thema.

Kinder müssen frühzeitig auf die Risiken hingewiesen werden, die im Internet lauern. Denn Cybermobbing – das gezielte Diffamieren von Menschen – ist eine ernstzunehmende Gefahr. Viele Kinder und Jugendliche sind bereits von Mobbing-Attacken betroffen. Foto: dpa

Eine andere inzwischen stark verbreitete Form ist das Cybermobbing oder auch Internet-Mobbing, mit der auf besondere Art diffamiert, belästigt oder genötigt wird“, erklärte Ulf Neumann, Programmbereichsleiter der KVHS. Medienpädagoge Marcus Lüpke erklärte dazu in seinem Vortrag Methoden und Präventionsmöglichkeiten. „Facebook, StudiVZ, Wer-kennt-Wen oder IRC-Galleries bieten die Plattform für Cybermobbing. In solchen sozialen Netzwerken des Internets kann Cybermobbing perfekt stattfinden, sogar rund um die Uhr“, erklärte Lüpke.

Doch nicht jede Beleidigung sei gleich Cybermobbing, aber dazu könne es kommen, wenn es sich um einen längeren Zeitraum handele. „Wie beim normalen Mobbing kennen sich Täter und Opfer“, sagte Lüpke. Das Internet biete zudem ein großes Publikum, man könne deshalb mit verfälschten Identitäten arbeiten. Das erschwere die Aufklärung, überdies sei die Beweisführung beim Cybermobbing schwierig.

Das bestätigte Ferdinand Heinrich von der Polizei Gifhorn. „Wenn die Anzeige beim Sachbearbeiter vorliegt, können schon viele Spuren im Internet gelöscht worden sein“, berichtete er. Schon Schüler der vierten und fünften Klassen bewegten sich oft mehrmals am Tag im Internet, bei den Älteren gebe es kaum jemanden, der ohne die virtuelle Welt auskomme.

„Die Jugend von heute ist technisch versiert, doch es fehlt ihr häufig die Sozial- und die Medienkompetenz“, begründete Lüpke, wie es zum Cybermobbing komme. Kaum ein Benutzer lerne etwa Regeln für Chatrooms. Insofern sei nicht das „Web 2.0“ das Problem, sondern mangelnde Kompetenzen der Benutzer. Zur Prävention riet Lüpke den anwesenden Lehrern und Sozialpädagogen, die Medien- und Sozialkompetenzen bei Jugendlichen zu stärken. Außerdem seien Meinungsfreiheit, aber auch Persönlichkeits- und Urheberrechte und Datenschutz wichtige Themen für die Prävention.

Sollte es zum Cybermobbing gekommen sein, sollte sich der Betroffene an eine Person seines Vertrauens in der realen Welt wenden. Als Beweissicherung seien „Screenshots“ wichtig, der Angreifer sollte gesperrt und der Vorfall dem Betreiber der Internetseite gemeldet werden. Denn das Medium Internet sei kein rechtsfreier Raum, Straftaten könnten verfolgt werden, betonte Lüpke. Den Schaden könne man für die Opfer zwar abmildern, doch habe das Internet hierbei einen Nachteil im Vergleich zur realen Welt.

„Das Internet vergisst nichts“, verwies Lüpke auf Online-Angebote, bei denen die Seiten früherer Jahre archiviert werden. Hilfe gibt es bei der Polizei, unter www.polizei-beratung.de oder www.klicksafe.de.

Von Burkhard Ohse

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