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Mütter kritisieren Schülerbeförderung

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Die freigestellte Schülerbeförderung sei keinesfalls mit einer individuellen Taxibeförderung zu vergleichen, heißt es seitens des Landkreises.
Die freigestellte Schülerbeförderung sei keinesfalls mit einer individuellen Taxibeförderung zu vergleichen, heißt es seitens des Landkreises. © dpa

pg Landkreis Gifhorn. Es gibt Ärger um die Beförderung von behinderten Schülern im Kreis: Uta Michels-Weise aus Hagen, Mutter eines zehn Jahre alten Sohnes mit Down-Syndrom, und Alexandra Stöcke aus Groß Oesingen, deren zwölfjähriger Sohn Asperger-Autist ist, sind erbost und wütend.

„Die Beförderung soll auf die einzelnen Kinder abgestimmt sein. Das funktioniert aber nicht. Seit einem halben Jahr gibt es Probleme“, sagt Michels-Weise. Die Mütter kritisieren das Beförderungsunternehmen, den Regenbogen-Fahrdienst aus Tappenbeck, und dessen Fahrtrouten beziehungsweise Tourenplanung. Ferner wünschen sie sich eine angepasste Beförderung bei kurzfristigem Unterrichtsausfall und in Stöckes Fall eine Einzelbeförderung. Michels-Weise fährt ihren Sohn aufgrund des Ärgers mittlerweile selbst zur Steinhorster Grundschule.

Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sollen möglichst in ihrer örtlichen Gemeinschaft und ihrer gewohnten Umgebung zur Schule gehen können. Entsprechend wichtig für die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen ist daher die so genannte „Schülerbeförderung im freigestellten Schülerverkehr“: Für den Transport aller Schüler zur Schule und zurück – ob im ÖPNV oder im Freistellungsverkehr – ist der Landkreis verantwortlich.

Michels-Weise und Stöcke, deren Sohn das Hankensbütteler Gymnasium besucht, betonen, dass die Behindertenbeförderung nicht nur Transport sein dürfe, sondern ein wichtiger und bedeutsamer Teil des gesamten Tagesverlaufes der Betroffenen sei. Stattdessen wird laut Stöcke aber keine Rücksicht auf die Kinder genommen, dabei sei sogar im Grundgesetz festgehalten, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden dürfe. „Wieso kämpfen wir dann um die Rechte unserer Kinder? Irgendetwas läuft verkehrt“, sagt Stöcke.

Die Erste Kreisrätin Evelin Wißmann sagt auf IK-Anfrage zu dem Sachverhalt: „Das Ansinnen der beiden Mütter ist für uns vollkommen nachvollziehbar.“ Es könne aber nicht immer allen Wünschen der Eltern entsprochen werden. „Neben den individuellen Interessen sind, wie bei der Schülerbeförderung im ÖPNV, öffentliche, sprich wirtschaftliche, Gesichtspunkte zu berücksichtigen.“ Die freigestellte Schülerbeförderung dürfe keinesfalls mit einer individuellen Taxibeförderung verwechselt werden, bei der der Fahrgast auf Wunsch alleine auf direktem Wege von Punkt A zu Punkt B befördert werde. Der Regenbogen-Fahrdienst sieht die Sache genauso wie Wißmann.

Von Paul Gerlach

Einen weiteren Artikel dazu finden Sie am Donnerstag im E-Paper und in der Printausgabe des Isenhagener Kreisblattes.

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