Minus bei Brandschützern

Landesbranddirektor Jörg Schallhorn sieht die Lage der Feuerwehren kritisch.

bb Gifhorn. „Immer weniger Menschen stehen für Ehrenämter zur Verfügung.“ Aus diesem Grund hatte der Landtagsabgeordnete Matthias Nerlich Landesbranddirektor Jörg Schallhorn nach Gifhorn eingeladen.

Kreisbrandmeister Willi Aldinger bei der Begrüßung: „Wohin wird der Weg der Gifhorner gehen?“ Er begrüßte, dass der Minister es nicht geschafft hat, die Feuerwehr der Polizei zu unterstellen. Aber die Feuerwehren könnten einige Einsätze nicht allein bewältigen.

Gesprächsrunde unter Experten: Bei einem Treffen von Führungskräften der Feuerwehren ging es auch um das Ehrenamt und wie Nachwuchs gewonnen werden kann. Fotos: Behrens

Schallhorn berichtete von den Problemlagen. So ist von 2009 bis 2010 die Zahl der Feuerwehrmänner um 280 und die der Wehren um acht gesunken. Er lobte die Frauen, die das ausgleichen – mit wachsender Tendenz. Der Frauenanteil beträgt zehn Prozent. Auch die Zahl der Jugendfeuerwehrleute stagniert, obwohl drei neue Jugendwehren gegründet wurden. Erfreulich sei, dass rund 100 neue Kinderfeuerwehren gegründet wurden. Ein Unsicherheitsfaktor dabei sei es, wie die Entwicklung weitergehen werde, wenn die Ganztagsschule komme und die Jugendlichen noch weniger Zeit hätten.

Die Tagesalarmsicherheit kann nur durch die Alarmierung von mehreren Ortsfeuerwehren sichergestellt werden. Die Einsatzzahlen steigen bei den Brandeinsätzen geringfügig, aber die Zahl der technischen Hilfeleistungen nimmt zu. Schallhorn: „Die Ehrenamtlichkeit ist in der EU einmalig. In anderen Ländern sind Einsatzzeiten von 20 bis 30 Minuten möglich.“ Zu beklagen sei die Fluktuation der Führungskräfte.

„Die Feuerwehr kann man nicht mit anderen Vereinen vergleichen. Wenn der Pieper geht, muss man los. Die Feuerwehrleute brauchen mehr Anerkennung in der Gesellschaft und Politik. Dazu gehört auch die Feuerwehr bei den ausländischen Bürgern mehr bekannt zu machen und diese zu integrieren“, unterstrich der Landesbranddirektor.

Die Feuerwehrschulen in Celle und Loy decken nur zwei Drittel des Bedarfs an Führungskräften ab. Angestrebt werden 75 Prozent. In Celle konnten sechs Lehrkräfte von Verwaltungsarbeit befreit werden und stehen für den Unterricht zur Verfügung.

Das Brandschutzgesetz stammt von 1978, es ist durch Novellierungen angepasst. Schallhorn: „Geprüft wird auch eine Doppelmitgliedschaft einmal am Wohnort und am Arbeitsort, um die Sicherheit her zu stellen.“ In großen Städten können Ehrenamtliche teilweise durch hauptberufliche Feuerwehrleute ersetzt werden, um die Tagesbereitschaft zu sichern. Ein großes Thema, so Schallhorn, ist die steuerliche Ermäßigung der Feuerwehrleute und der Betriebe, die ihre Mitarbeiter für Feuerwehreinsätze zur Verfügung stellen.

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