Bund unterstützt Milchviehhalter mit 100 Millionen Euro / Preis im Keller: Zuviel Milch auf Markt

Milchgipfel: „Durststrecke dauert schon zu lange“

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Bauern in Berlin demonstrierten für bessere Milchpreise.
  • VonMatthias Jansen
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Berlin/Wahrenholz. Mit einer Soforthilfe von 100 Millionen Euro will die Bundesregierung der Milchviehwirtschaft unter die Arme greifen. Das ist ein Ergebnis des gestrigen „Milchgipfels“ in Berlin.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CDU) hatte mit Vertretern von Landwirtschaft, Molkereien und Handel über Wege aus der Krise beraten. Über 4000 Bauernhöfen, erklärte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter zuvor in einem offenen Brief an Schmidt, drohe noch in diesem Jahr der wirtschaftliche Untergang.

Seit dem Wegfall der Milchquote im April 2015 hat sich der Preis für einen Liter fast halbiert. Verbraucher im Supermarkt zahlen bereits deutlich weniger als 50 Cent. Allerdings kommt nur ein Bruchteil dieses Geldes bei den Milchbauern an. In der Region Gifhorn würden von den Molkereien zwischen 23 und 25 Cent bezahlt, sagt Helmut Evers aus Wahrenholz, der beim Landvolk Gifhorn Vertreter der Milchviehhalter ist. Bei diesen Preisen sei die Existenz vieler Betriebe gefährdet. „35 Cent pro Liter müssen wir schon haben“, meint Evers.

Der finanziellen Förderung durch den Bund – das Hilfspaket umfasst Kredite, Bürgschaften und steuerliche Erleichterungen – stimmt der Wahrenholzer Landwirt, der einen Familienbetrieb mit 80 Kühen führt, zu. „Das haben wir schon lange gefordert“, so Evers. Neben einer kurzfristigen Liquiditätshilfe sei es wichtig, den Landwirten vorerst steuerliche Erleichterungen einzuräumen. „Vor Jahren, als wir noch an der Milch verdient haben, wurde es uns nicht erlaubt, Rücklagen zu bilden. Das Geld wurde veranlagt, wir mussten Steuern zahlen. Ich will Steuern zahlen. Allerdings wäre es eine gerechte Möglichkeit gewesen, dass die Rücklagen erst gebildet, dann aufgelöst und später Steuern gezahlt würden“, sagt der Wahrenholzer Landwirt.

Die Soforthilfe des Bundes ist zunächst als Entlastung gedacht. Langfristig, so Schmidt gegenüber der dpa, wolle man „keine Landwirtschaft, die am Tropf von Subventionen hängt.“ Einen Vorschlag zur Lösung der Preiskrise hat Evers. „Die Milchmenge ist zu hoch“, fordert der Wahrenholzer eine Reduzierung der Produktion. Denn nicht nur der Wegfall der Milchquote habe den Markt schwächeln lassen. Die wirtschaftlichen Probleme außerhalb Europas sowie die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland hätten den Absatz von landwirtschaftlichen Produkten erschwert.

Genau wie Schmidt will auch Evers weiter „einen freien Markt“. Eine vorgeschriebene Reduzierung der Milchproduktion „von oben“ sei nicht gut. Die Betriebe müssten sich selbst entwickeln können, sagt Evers.

Kritik am Milchgipfel gab es von Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer. Die Millionenhilfe sei ein „Herumdoktern an Symptomen.“ Allein die 12 000 Milchbauern in Niedersachsen hätten im vergangenen Jahr Einnahmeverluste von 1,2 Milliarden Euro wegstecken müssen, sagte der Grünen-Politiker der dpa. „Auch wir als Familienbetrieb mussten uns häufiger deutlich einschränken. Die Durststrecke dauert schon zu lange“, hofft Evers auf Besserung.

Von Matthias Jansen

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