Mangel an Pflegepersonal reibt die Dienstleister auf / Zukunft ungewiss

Personalnotstand in der Pflege: "Menschen verschleißen"

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versprach der Kranken- und Altenpflege Unterstützung. 

Landkreis Gifhorn. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will 13.000 Stellen für die stationäre Pflege in Deutschland bereitstellen. Das ist vielen zu wenig – und zu spät komme es auch.

„Ich bin schon 1982 für mehr Pflegepersonal demonstrieren gegangen“, empört sich Iris Kamann, Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Wittingen, „das Problem ist ewig bekannt, die Politik reagiert jetzt erst.“ Tatsächlich gibt es einen Personalnotstand: Laut Bundesagentur für Arbeit sind knapp 36.000 Stellen in der Kranken- und Altenpflege nicht besetzt – die Prognose geht von einem Mangel von 500.000 bis 2030 aus. Eine Umfrage ergab, dass fast jede dritte Einrichtung freie Stellen gar nicht erst meldet, sodass man mit deutlich mehr Personalbedarf rechnen kann.

Die Folge ist eine hohe Belastung des vorhandenen Personals. „Die Menschen werden regelrecht verschlissen“, bedauert Kamann. Bundesweit sind 13.000 besetzte Stellen ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Das ist, wenn es hoch kommt, ein Mitarbeiter in unseren Einrichtungen“, empört sich Ralf Fricke, Fachbereichsleiter der Altenhilfe des DRK-Kreisverbands Gifhorn. Der Personalnotstand verlange nach deutlich mehr. „Vier Einrichtungen im Landkreis mussten bereits einen Belegungsstopp veranlassen. 2.000 Menschen werden derzeit nicht vernünftig versorgt.“

Arbeitszeit und Bezahlung schrecken viele junge Menschen ab, sich für den Beruf in der Pflege zu entscheiden. „Die Anerkennung im System fehlt“, sagt die gelernte Krankenschwester Kamann, „dabei ist das ein toller Beruf. Es gibt vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten und Einsatzgebiete. Und man bekommt ganz viel zurück“.

Um den Beruf attraktiver zu machen, muss noch viel passieren, aber „das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagt die Unternehmerin Bettina Tews-Harms. 

Von Dennis Tesch

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