Mehr als Sterbebegleitung

Irmgard Baruschke und Jörg Dreyer. Foto: Peiser

Landkreis Gifhorn. Eigentlich ist der Landkreis Gifhorn gut aufgestellt. Allerdings die wenigsten wissen, dass es ein Palliativ- und Hospiznetz und die Hospiz-Arbeit Gifhorn gibt. „Die Leute haben nicht den Überblick. Es gibt also zwei Institutionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten“, erläutert Irmgard Baruschke, Vorstandsmitglied des Vereins Hospiz-Arbeit. Dennoch ist die Hospiz-Arbeit im Hospiz-Netz als Kooperationspartner präsent.

„Unsere originäre Aufgabe ist die seelische Begleitung – während das Netz die Versorgung und die medizinische Betreuung leistet. Aber wir arbeiten Hand in Hand“, ergänzt der Vorsitzende Jörg Dreyer. Gibt es in einer Familie psychisch-sozialen Bedarf, wird die Hospiz-Arbeit aktiv. Ausschließlich Ehrenamtliche engagieren sich in dem Verein. Die Kosten für die Schulung werden vom Verein getragen. Aber wie bundesweit in allen Vereinen fehlt es auch bei der Hospiz-Arbeit an Ehrenamtlichen. „Durch die intensive Arbeit mit dem Palliativ-Netz haben wir viel zu wenig ehrenamtliche Mitarbeiter – insbesondere im Gifhorner Nordkreis können wir noch freiwillige Helfer gebrauchen“, meint Dreyer. Noch bis vor zwei Jahren habe es in Wittingen einen eigenständigen Hospiz-Verein gegeben. Seit der Fusion gibt es eine Koordinatorin für das gesamte Kreisgebiet. Sie sei, so Dreyer, auch die Einzige, die für ihre Arbeit Geld beziehe.

Als der Verein im Jahr 1998 gegründet wurde, gab es 20 Mitglieder. Mittlerweile ist die Zahl auf 190 Mitglieder gestiegen. Zur Zeit sind 26 Ehrenamtliche im Einsatz, die 20 Patienten begleiten. „Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte oder Unterstützung benötigt, kann sich mit unserer Koordinatorin in Verbindung setzen. Sie vereinbart den ersten Termin beim Patienten und überlegt dann, wer von den Ehrenamtlichen zur Verfügung steht und wer zeitlich in die jeweilige Sitution passt“, berichten Baruschke und Dreyer.

Die Ehrenamtlichen sollen in erster Linie den Kranken begleiten. „Es reicht manchmal schon aus, sich hinzusetzen und zuzuhören. Vielleicht braucht ja auch mal ein Angehöriger einen Rat oder benötigt jemanden zum sprechen oder möchte seine Ängste loswerden. Viele Menschen setzen sich nicht mit dem Tot auseinander – bis sie davon betroffen sind“, weiß Baruschke. Man wolle nicht beim Sterben helfen, sondern die verbleibende Zeit würdig zu gestalten. Oft geht es auch nur darum, noch einmal etwas schönes zu unternehmen. Dreyer erinnert sich, dass sich ein zehnjähriger Junge so sehr wünschte, in einer Eisdiele ein Spaghetti-Eis zu essen. Dreyer: „Es geht darum, machbare Wünsche zu erfüllen und die Angehörigen zu entlasten. So erhalten sie Gelegenheit, einen Einkaufsbummel zu machen und auf andere Gedanken zu kommen. Es gibt nicht nur traurige Momente. Lachen gehört zum Sterben genauso dazu wie schwarzer Humor.“

„Leider nehmen noch sehr wenige die Hilfe des Hospiz-Vereins in Anspruch. Es kann nicht zu früh sein, uns anzurufen – wir sind nicht nur für die letzten Tage da“, beklagen Baruschke und Dreyer. Derzeit sei man vorwiegend ambulant tätig, aber wie Dreyer informiert, wolle man in ferner Zukunft eventuell ein stationäres Hospiz in Gifhorn einrichten. Derzeit arbeite man sehr eng mit Wolfsburg, Braunschweig und Celle zusammen, wo eine stationäre Behandlung möglich ist.

Anfang des nächsten Jahres wird es eine neue Schulung geben. Eigens dafür ist Anfang Oktober ein Info-Abend geplant. Details werden noch bekannt gegeben. Nähere Infos erhalten Interessierte montags und mittwochs, 10 bis 12 Uhr, sowie donnerstags von 15 bis 17 Uhr im Hospiz-Büro, Steinweg 6 in Gifhorn, (0 53 71) 94 26 08, (01 70) 2 43 64 83.

Von Carola Peiser

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare