Zahlen im Landkreis Gifhorn gestiegen / Stadt Wittingen traurige Spitze

Landkreis Gifhorn: Mehr Kinder in Armut

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Mindestens 2.234 Kinder im Landkreis Gifhorn leben in Armut, der Nordkreis ist besonders betroffen.

Landkreis Gifhorn. Global gesehen ist Deutschland sehr gut aufgestellt und eine Wirtschaftsmacht. Und doch gibt es noch immer traurige Zahlen wie diese: Jedes fünfte Kind in Niedersachsen ist armutsgefährdet.

In Niedersachsen liegt die Schwelle zur Armut einer Familie mit zwei Kindern bei 2002 Euro monatlichem Einkommen. Für 2016 betraf das 21,1 Prozent der Kinder unter 15 Jahren. Der Landkreis Gifhorn definiert Kinderarmut hingegen anhand des Bezuges von Leistungen nach dem SGB II (Hartz IV). Demnach leben 2.234 Kinder unter 15 Jahren in Armut, das entspricht einer Quote von 8,8 Prozent. „Aufgrund vielfältiger familienpolitischer Leistungen – etwa Kinderwohngeld oder Kindergeldzuschlag – liegen viele knapp über den Einkommensgrenzen und werden nicht erfasst“, fügt Rolf Amelsberg vom Landkreis hinzu. Die genannten Zahlen bilden also nur einen Ausschnitt.

Dabei steht der Landkreis noch relativ gut da – die Stadt Salzgitter etwa erreicht traurige 23,5 Prozent –, hat aber auch ein großes Spektrum: Die Städte Gifhorn und Wittingen kommen auf 15 und 15,5 Prozent, Hankensbüttel und Wesendorf auf 15,2 sowie 12,8 Prozent, Tülau hingegen auf 0 Prozent. „Insgesamt ist ein Gefälle zu erkennen, wonach die Quoten im Südkreis geringer sind“, erklärt Amelsberg. Der sogenannte Speckgürtel um Braunschweig und Wolfsburg bedingt dort eine bessere wirtschaftliche Situation.

Die Quote der armutsgefährdeten Kinder ähnelt der der Gesamtbevölkerung, ist bis 2015 gesunken (8,2 Prozent) und nun wieder leicht gestiegen. Da die Lage der Kinder vom Erwerb der Eltern abhängt und die meisten familienpolitischen Leistungen Länder- oder Bundessache sind, könne der Landkreis daran nicht viel ändern.

Mit Projekten – etwa „Kinder brauchen Zukunft“ (das IK berichtete) – und dem Aufbau von Netzwerken diverser Akteure versucht man dennoch, die Eltern zu entlasten.

Von Dennis Tesch

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