Alte Werbeschilder bei Sanierung des Höferschen Hauses gefunden

Gifhorn: Liköre aus der Vergangenheit

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Das Likörschild neben dem Loch in der Eichenbohle, das durch das Blech verschlossen wurde.

ard Gifhorn. Die Sanierung des Höfersches Hauses in Gifhorn ist im dritten Bauabschnitt. Die Zimmerer öffneten Teile des Daches, um an die darunter liegenden Balken zu kommen.

Das Haus von 1570 hat dabei so seine Ecken und Eckchen, in der Abseite mussten auch die Bohlen auf dem Boden angehoben werden. Eine staubige Angelegenheit – aber nicht nur aufschlussreich für die Historie des Hauses, sondern notwendig für die Sanierung. Dabei entdeckten die Handwerker jetzt zwei historische Blechschilder, die offensichtlich von der einst in dem Haus untergebrachten Anker-Drogerie stammen.

Hartmut Ohse mit dem Ackerlon-Schild vor dem eingerüsteten Fachwerkbau.

Die Schilder dienten einst zur Werbung, wurden dann aber verwendet, um – mit Nägeln festgemacht – Löcher in den Bohlen zu schließen. „Sie geben einen schönen Einblick in die damalige Zeit“, meint Hauseigentümer Hartmut Ohse. „Ackerlon“ steht groß auf dem einen verzierten Blechschild. Auch das Internet lässt einen fast im Stich, wenn man sich darüber informieren will. Wofür das Produkt benötigt wurde, steht aber unter dem Namen und dürfte damals vor allem die Nagetiere verschreckt haben: Als „Mäuse- und Ratten-Tod“ wurde es verwendet. Im Netz ist eine Zeitung von 1903 aus der westpreußischen Stadt Thorn im Kulmerland, heute polnisch Torun, zu finden, in der ebenfalls für das Gift geworben wird. Interessant und kurios ist das zweite Schild, auf dem Alkoholika feilgeboten werden, allerdings ohne Preisangabe. Manche Liköre und Schnäpse sind heute noch bekannt und beliebt. Cognac, Arrac, Rum, Korn, Steinhäger und Wacholder gab es schon damals. Bei den Likören sind nicht alle mehr alltäglich, zumal die Firmen nicht dabei stehen. Curaçao-, Kaffee- oder Maraschino-Likör oder Danziger Goldwasser kennt man heute noch, Eier-Cognac und Angostura-Likör sind da schon unbekannter.

Calmus-Likör beinhaltet Kalmus, und das hat eine lange Tradition in der Pflanzenkunde. Wirksam bei Reizmagen und Appetitlosigkeit soll er sein. Berliner Getreidekümmel ist ebenfalls seltener zu finden, wird aber noch von der Preußischen Spirituosen-Manufaktur hergestellt. Rezepte für Drogisten gibt es im Internet für die Sorten „Nach Art der Benedictiner“, „Churfürstlicher Magen“ oder „Nach Art der Chartreuse“, wahlweise in Gelb oder Grün.

Auch ausgesprochene Likörliebhaber können hingegen nichts mehr mit „Haus-Doktor“ anfangen. Einen „Halb und Halb“-Likör gibt es heute noch im östlichen Deutschland. Halb bitter, halb süß, fruchtig nach Apfelsinen- und Pomeranzenschale mit harmonisch abgestimmter Bitter- und Gewürznote schmeckt er.

In die Reihe mehr oder weniger bekannter Liköre, die alphabetisch aufgelistet sind, reiht sich auch einer ein, der einen besonders kuriosen Namen hat: der „Hämorrhoidal-Likör“. In „Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis für Apotheker, Ärzte, Drogisten und Medizinalbeamte“, Band 1 von 1930, ist die Rezeptur zu finden. Radix Helenii und etliche weitere Wurzelextrakte sind seine Inhaltsstoffe, über deren Wirksamkeit und Anwendung die Gelehrten unterschiedliche Meinungen hatten. Und zumindest der Likörname ist inzwischen verschwunden.

Die Geschichte des Hauses ging dagegen weiter. Ohses Großvater Wilhelm Höfer, nach dem das Haus benannt wurde, hatte im Erdgeschoss neben der Anker-Drogerie ein Kaufhaus, vornehmlich mit Anzügen und Schuhen. 1936 zog die Anker-Drogerie, die die erste „Tankstelle“ in Gifhorn mit einer einzelnen Zapfsäule auf dem Marktplatz betrieb, um.

Nach dem 2. Weltkrieg spezialisierte sich Höfer auf Schuhe. Bis 2002 hatte das Geschäft Bestand, dann schloss es. Seit mehr als zehn Jahren werden dort nun italienische und andere Feinkostartikel angeboten – unter anderem Liköre. Und da schließt sich der Kreis zum Schild der Anker-Drogerie, das nun nach Jahrzehnten wieder auftauchte. Was mit den beiden historischen Schildern passiert, ist noch nicht klar. „Sie werden auf jeden Fall in Ehren gehalten“, sagt Ohse.

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