6,4 Prozent aller Einwohner

Landkreis Gifhorn: 11.250 leben in Armut

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Im Landkreis Gifhorn beziehen 6,4 Prozent aller Einwohner Mindestsicherungsleistungen und gelten als arm.

Weihnachten und das Jahresende bilden nicht nur eine besinnliche Zeit. Für viele bedeuten die Festtage einen regelrechten Konsumwahn. Mancher will das vermeiden, andere können sich gar kein opulentes Fest leisten: Im Landkreis Gifhorn gelten 6,4 Prozent aller Einwohner als arm.

Landkreis Gifhorn – Armut ist in Deutschland eine relative Größe. Zwar gibt es die absolute Armut, die laut Weltbank bei einem Einkommen von weniger als 1,25 Dollar pro Tag pro Person liegt, doch in der Bundesrepublik existiert sie praktisch nicht. Wohl aber gibt es eine relative Einkommensarmut.

Von Armut gefährdet sind demnach Menschen, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens einer Region besitzen. Niedersachsen liegt mit zirka 15 Prozent der Bevölkerung im bundesdeutschen Durchschnitt. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende, Großfamilien, Erwerbslose, Migranten und Kinder. Die Zahlen geben dabei aber nur wieder, was behördlich aufgenommen wurde. Menschen in finanziell prekären Lebenslagen, die keine stattlichen Leistungen zur Bekämpfung ihrer Armut erhalten, fallen somit hinten runter.

Der ausschlaggebende Indikator für Armut in Deutschland ist die sogenannte Mindestsicherung. Sie wird herangezogen, da es im deutschen Sozialsystem viele verschiedene Leistungen gibt, Hartz IV und Sozialgeld, Grundsicherung im Alter sowie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz können aber nicht gleichzeitig bezogen werden und zeichnen so die Konturen der Armutsgesellschaft in Deutschland.

Im Landkreis Gifhorn bezogen laut statistischem Landesamt zum Jahresende 2017 insgesamt 11 256 Personen Leistungen der Mindestsicherung. Das entspricht 6,4 Prozent aller Einwohner. Im Vergleich zum Bund (9,2 Prozent), dem Land Niedersachsen (9,3 Prozent) sowie umliegenden Kommunen stellt dies eine relativ niedrige Mindestsicherungsquote dar. Die Nachbarkreise Uelzen und Celle stehen mit 8,2 und 10,8 Prozent schlechter dar, auch die Stadt Wolfsburg mit 8,2 Prozent. Den traurigen ersten Platz belegt die Region Hannover mit 12,7 Prozent.

Doch die Armut ist im Landkreis nicht gleichmäßig verteilt, es besteht ein ein sehr großes Gefälle. So wiesen zum Ende des Jahres 2017 die Städte Gifhorn (11,4 Prozent) und Wittingen (8,7 Prozent) sowie die Samtgemeinden Hankensbüttel (7,3 Prozent) und Wesendorf (6,8 Prozent) die höchsten Mindestsicherungsquoten auf. Dagegen fielen die Quoten der Empfänger von Mindestsicherung in den Samtgemeinden Boldecker Land und Papenteich mit 1,9 und 2,5 Prozent am geringsten aus.

Naturgemäß schwanken die Zahlen aus der Mindestsicherungsquote. Dabei waren die Veränderungen in den letzten Jahren auf Ebene des Landkreises jedoch relativ gering, schwankten seit 2014 nicht mehr als 0,3 Prozentpunkte nach oben oder unten. Ausschlaggebend für die jüngeren Entwicklungen waren ein Rückgang der Empfänger von Hartz IV sowie – insbesondere 2015 und 2016 – ein gleichzeitiger Anstieg der Empfänger von Asylbewerberleistungen.

VON DENNIS TESCH

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