Kriminalstatistik: Insgesamt weniger Straftaten

Landkreis Gifhorn: Mehr häusliche Gewalt in Corona-Zeiten

Die Gifhorner Polizeiinspektion an der Hindenburgstraße, linker Hand stehen zwei Streifenwagen.
+
Weniger Straftaten, mehr Aufklärung – die Gifhorner Polizeibilanz sieht positiv aus.

Landkreis Gifhorn – Ein erfreulicher Trend, der in der Kriminalstatistik für den Kreis Gifhorn zu verzeichnen ist: Waren es im Jahr 2012 noch 8723 Straftaten, so sank die Zahl kontinuierlich auf 6630 im vergangenen Jahr. Fast überall einen Rückgang gab es auch, wenn man die einzelnen Gebietseinheiten anschaut. Lediglich in Brome und Meinersen gab es einen Zuwachs.

Im Bereich der Polizeistation Brome fielen 408 Straftaten an (6 Prozent aller Straftaten im Kreis), in Hankensbüttel 249 (4 Prozent), in Wesendorf 480 (7 Prozent) und in Wittingen 407 (6 Prozent). Der Rückgang betraf vor allem schwere Delikte. Lediglich beim „Tatmittel Internet“ (534 Fälle/+10,56 Prozent), Vermögens- und Fälschungsdelikte (1167/+4,76 Prozent), Sachbeschädigung (861/+ 13,14 Prozent) oder strafrechtliche Nebengesetze wie Rauschgiftdelikte (685/+ 2,54 Prozent) stiegen die Fallzahlen, hier vor allem wegen des erhöhten Kontrolldrucks.

Stark abgenommen, von sieben auf drei, haben die Straftaten gegen das Leben. Dabei handelte es sich um einen versuchten Totschlag, eine fahrlässige Tötung sowie um einen Mord. Alle drei Taten konnten aufgeklärt werden. Auch die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sank um 25 auf nunmehr 137. Hier hängen die Zahlen allerdings sehr stark vom Anzeigeverhalten ab, sagte Martin Hesse, Leiter der Analysestelle. Einen Anstieg gab es hier bei den sexuellen Belästigungen und der Verbreitung pornografischer Schriften. Die Zahl der Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und des sexuellen Missbrauchs von Kindern, die bekannt wurde, sank demnach.

Ebenso abhängig vom Anzeigeverhalten sind die Fälle von häuslicher Gewalt. Die stiegen stark um 123 auf 373, darunter 239 Körperverletzungen, und damit auf einen neuen Höchststand. Zu befürchten sei, so Uwe Ramme, Leiter des Zentralen Kriminaldiensts, dass diese Zahlen auf dem hohen Niveau bleiben. Denn in der Corona-Pandemie, so Ramme, würden manche Nerven wegen der Lockdowns oder einem drohenden Arbeitsplatzverlust blank liegen. 75 Prozent der Opfer hier waren Frauen, 25 Prozent Männer. Bei den Tätern waren die Zahlen umgekehrt (Männer 79, Frauen 21 Prozent).

Erschreckend sind die Zahlen zu Gewalt gegen Polizeibeamte, die um 10 auf einen neuen Höchststand von 54 stiegen. PI-Leiter Thomas Bodendieck berichtete von Fällen, in denen Beamte einen Schulterbruch erlitten und mehr als ein halbes Jahr krankheitsbedingt ausfielen. Gesunken ist dagegen die Zahl der Rohheitsdelikte allgemein (Raub, Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung), die um 181 auf 1093 Fälle zurückging.

Der Corona-Pandemie geschuldet sind offensichtlich zurückgehende Zahlen von Einbruchdiebstählen, da die Menschen aufgrund von Lockdown, Homeoffice und Ausgangssperren vermehrt zu Hause sind. 129 Taten fanden vom Januar bis Mai statt, lediglich 41 im Rest des Jahres.

Einen hohen Anstieg, auch dem gestiegenen Internetnutzung der Verbraucher geschuldet, gibt es auch beim Waren- und Warenkreditbetrug. „Da viele Käufe aber bei manchen Zahlungsanbietern versichert sind, die Käufer also keinen Schaden haben, werden viele Delikte hier oft nicht angezeigt“, sagte Bodendieck.

Deutlich ist der Unterschied bei den Straftaten zum Nachteil älterer Menschen, unter anderem Enkeltrick, wenn man die Versuche und die vollendeten Straftaten vergleicht. 207 versuchte Fälle gab es, wobei die Täter lediglich in acht Fällen Erfolg hatten. Das ergab aber immerhin einen Schaden von 334 000 Euro. Drei der acht Fälle wurden aufgeklärt.

(von Burkhard Ohse)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare