Online-Vortrag nach mehreren Sichtungen

Drei Wolfsrudel im Landkreis Gifhorn als Maximum?

Ein Wolf in einem bayrischen Freigehege.
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Ein Wolf in einem bayrischen Freigehege.

Meinersen – Nach mehreren Wolfssichtungen in der Samtgemeinde Meinersen und vermehrten Anfragen von besorgten Einwohnern beim Leiter des Ordnungsamts, Steffen Weichsler, organisierte dieser am Freitagabend, 16. April, einen Online-Vortrag. Mit dabei waren mit Wolfsberater Karl-Gustav Laser und dem Vorsitzenden des Nabu-Kreisverbandes Gifhorn und Diplom-Biologen Florian Preusse zwei ausgewiesene Experten.

Dabei ging es vor 116 Teilnehmern nicht um das Für und Wider, sondern um Informationen über den Wolf. Dazu konnten die Teilnehmer im Chat auch Fragen stellen. Und die bezogen sich darauf, was bei einer Wolfsbegegnung zu tun sei, gerade auch mit einem Hund, sowie den Schutz eigener Nutztiere.

Zuvor hatte Preusse ausführlich über den Wolf und dessen Verhalten referiert. Fazit: Der Wolf meide den Menschen, jede Begegnung mit ihm sei Zufall, der auch den Wolf überrasche. Laut werden, etwa mit einer Trillerpfeife, oder Steine werfen, das riet Preusse den nachfragenden Zuhörern. Und: Hunde anleinen und zu sich holen, denn ein Hund ist für einen Wolf interessanter als der Mensch.

Kläffender Hund ist kontraproduktiv

Dabei sollte man seinen Hund gut erzogen haben. Ein kleiner, kläffender Hund auf dem Arm des Menschen sei kontraproduktiv, viel hänge daher auch vom Verhalten des Tierhalters ab. „Und sich langsam entfernen – sollte der Wolf näher kommen, handelt es sich meist um ein neugieriges Jungtier“, sagte Preusse. Vor allem Wölfe, die auf der Durchreise sind, haben kein Interesse an einer Begegnung mit Menschen und entfernen sich rasch. Gefahr drohe lediglich, wenn man Wolfswelpen zu nahe komme. Gefährliche Begegnungen oder gar Todesfälle seien sehr selten, so die beiden Wolfsexperten. Wahrscheinlicher sei es, dass einem Waldspaziergänger ein Ast auf den Kopf fällt. Neun Tote gab es von 1950 bis 2000 durch den Wolf, allerdings nicht in Deutschland, fünf davon durch tollwütige Tiere, vier durch habituierte Wölfe, die zuvor an den Menschen gewöhnt wurden.

Laser, selber Halter von Schafen, die er durch Zaun und Hütehunde schützt, wies auf die Verpflichtung von Nutztierhaltern hin, die eigenen Tiere zu sichern. Die richtigen Zäune, richtig aufgestellt, hielten Wölfe zumeist ab. Nutztiere näher an Siedlungen zu holen, sei sicherer, vor allem, wenn etwa Pferde fohlen, sagte er. Hunde seien besser als Esel als Schutz für Herden geeignet, weil Esel nur sich selbst verteidigten.

Landwirt Hinnerk Bode-Kirchhoff verwies darauf, dass die Unterhaltung eines elektrischen Außenzauns sehr aufwändig sei. Mit einer einmaligen Zahlung sei das aus seiner Sicht nicht getan. „Wie kann man dieses Thema für beide Seiten lösen?“, wollte er wissen. „Da muss der Gesetzgeber nachbessern“, konzedierte Laser. Zudem hoffe man, dass die Maschinenringe die Geräte anschaffen, die Nutztierhalter für die Unterhaltung der Zäune benötigten.

Auch wenn es immer wieder Zwischenfälle gebe, seien Nutztiere nicht die Hauptnahrung für den Wolf, hatte Preusse berichtet. Lediglich 1,1 Prozent machten Nutztiere bei seiner Nahrung aus. Vornehmlich würden von ihm Rehe, Wildschweine oder Rotwild gejagt.

Preusse führte auch aus, wie sich die Wolfspopulation in Deutschland voraussichtlich weiterentwickeln wird. Aus den derzeit 128 Rudeln im Bundesgebiet werden geschätzt 700 bis 1400 werden. Das sei das ökologische Maximum, mehr gehe nicht, weil jedes Rudel ein 200 bis 300 Quadratkilometer großes Revier braucht, sagte Preuße. Eine „explosionsartige Vermehrung“ sei nicht zu befürchten, weil sich die Wölfe dann durch innerartliche Konkurrenz oder Krankheiten regulierten. Daher werde sich die Zahl von drei Rudeln im Landkreis im Ringelah, bei Ehra und bei Steinhorst wohl nicht erhöhen, wobei ein Rudel aber sehr mobil sein kann.

Tötung als „Ultima Ratio“

Wie man die Bevölkerung objektiv aufklären kann, wollte ein Teilnehmer wissen. „Mit Vorträgen wie diesem“, kam als Antwort. Auch Preusse und Laser sprachen sich derweil nicht für einen absoluten Schutz der Wölfe aus. Auffällige Wölfe müssten entnommen werden, sagten beide, als „Ultima Ratio“. Daher müsse jede Wolfssichtung gemeldet werden, um die Tiere beobachten zu können. Ob es wirklich ein Wolf war, müsse dann zunächst festgestellt werden, denn auch manche Hunde sehen dem Wolf ähnlich, sagte Preusse.

Unschön, so Laser, seien oftmals seine eigenen Begegnungen mit den geschädigten Nutztierhaltern, die dann aggressiv auftreten. „Wolfsberater beraten nicht den Wolf, sondern den Menschen“, sagte Laser. „Und wir sind nicht für den Wolf verantwortlich.“

(von Burkhard Ohse)

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