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Landkreis Gifhorn hat noch keinen Notfallplan für Blackout

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Von: Holger Boden

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Zwei Menschen sitzen bei Kerzenschein in ihrer Wohnung, weil der Strom ausgefallen ist.
Sieht beschaulich aus, doch wenn der Strom für längere Zeit wegbleibt, dann ist das für eine hochtechnisierte Gesellschaft ein ernster Katastrophenfall. © Julian Stratenschulte

Landkreis Gifhorn – Ein Stromausfall sei „mit Abstand das Wahrscheinlichste“, hieß es schon vor sechs Jahren aus der Abteilung der Gifhorner Kreisverwaltung, die für den Katastrophenschutz zuständig ist. Gemeint war das in Relation zur Wahrscheinlichkeit anderer katastrophaler Ereignisse – so sah man, weil jede Zeit ihre großen Themen hat, beispielsweise keine große Gefahr mehr durch nukleare Bedrohung von außen. Was sich ja durch den von Russland ausgelösten Krieg in der Ukraine auch wieder ein Stück weit geändert hat.

Doch der Waffengang in Osteuropa und die damit verbundene Energiekrise haben einen Ausfall der Stromversorgung in der Liste der möglichen Katastrophen-Szenarien ganz nach oben gespült. Bundesweit treffen Kommunen in ganz unterschiedlichem Maße Vorbereitungen für einen Blackout, die Stadt Koblenz zum Beispiel rüstet sich mit der Einlagerung großer Mengen Treibstoff, einem stromunabhängigen Kommunikationsnetz und mobilen Heizungen, die Turnhallen in „Wärme-Inseln“ verwandeln sollen. Das Konzept der Stadt kalkuliert mit einem 96-stündigen Stromausfall.

Schon vor einigen Jahren war klar: Im hochkomplexen europäischen Stromnetz braucht es für Ausfälle nicht unbedingt eine Riesen-Katastrophe – schon kleine Störungen können große Folgen haben. Die Möglichkeit von Cyber-Angriffen und die Angst vor Energie-Engpässen addieren sich (spätestens) seit diesem Jahr hinzu.

Wie ist der Landkreis Gifhorn als Katastrophenschutz-Behörde auf einen Blackout vorbereitet? Auf eine entsprechende IK-Anfrage schickt die Kreisverwaltung voraus, dass „die Bewältigung eines solchen Ereignisses keine exklusive Aufgabe der Landkreise als Katastrophenschutz-Behörden“ darstelle, dass es sich vielmehr „um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handele“. Angesichts der Größe des Landkreises und der Zahl seiner Einwohner sei es nicht möglich, die Bürger „flächendeckend und dauerhaft“ durch die Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes zu versorgen.

Heißt: Jeder Bürger und jedes Unternehmen ist gehalten, sich mit eigenen Vorkehrungen dafür zu wappnen, dass der Strom einmal für längere Zeit ausfallen könnte. Wenn dies erfolge, dann könnten „die Einheiten des Katastrophenschutzes zielgerichtet und schwerpunktmäßig dort eingesetzt werden, wo es unbedingt und aufgrund besonderer Ereignisse erforderlich ist, Schaden abzuwenden“.

Aber gibt es einen Notfallplan für einen Blackout? Noch nicht. Auf Anfrage heißt es: „Der Landkreis plant die Erstellung eines Sondernotfallplans Stromausfall.“ Damit sei ein externer Dienstleister beauftragt. Eingebunden seien auch viele andere Player im Kreisgebiet: Kommunen, Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Pflegeheime, Klinik, Polizei, LSW, Wasserverbände und einige mehr. Der Notfallplan werde „unter anderem Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Kommunikation und Kraftstoff-Logistik sowie die Schaffung von sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürmen enthalten“. Letzteres sind Anlaufstellen, die mit Notstrom versorgt sind – und an denen Bürger beispielsweise ihr Handy aufladen können.

Wie sich ein Haushalt generell auf einen Blackout oder andere Szenarien vorbereiten sollte, skizziert das BBK unter www.bbk.bund.de.

Den vollständigen Text finden Sie in der Print- oder E-Paper-Ausgabe des Isenhagener Kreisblatts vom 11. November 2022.

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