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Steinhorst „erheblich älter“

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Von: Burkhard Ohse

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Gifhorns Kreisarchäologe Dr. Ingo Eichfeld referiert im Gifhorner Schloss über die Grabungs-Highlights des letzten Jahres.
Gifhorns Kreisarchäologe Dr. Ingo Eichfeld referierte im Schloss über die Grabungs-Highlights, die es im vergangenen Jahr im Kreis Gifhorn gab. © Freier Mitarbeiter

Gifhorn – Rund 100 Zuhörer, ein Drittel davon online, hörten sich an, was die Gifhorner Kreisarchäologie im vergangenen Jahr an neuen Erkenntnissen über die Vergangenheit gefunden hatte. Kreisarchäologe Dr. Ingo Eichfeld referierte im Rittersaal des Gifhorner Schlosses „nur über die Highlights“, da der Vortrag sonst zu umfangreich geworden wäre.

Insgesamt 227 Stellungnahmen hatte die Kreisarchäologie abzugeben, an vielen Stellen, vor allem bei Bauvorhaben im ganzen Landkreis, wurden Grabungen vorgenommen. In der Stadt wurde man auf dem Grundstück Steinweg 4, auf dem zurzeit ein größeres Gebäude entsteht, fündig. „Mysteriöse Gräben“ kamen bei den Ausschachtungen zutage, die nicht zu dem Layout der Parzellen der Grundstücke passen. Sie sind seit Jahrhunderten schon auf der Karte von 1699 zu sehen und gelten heute noch. Ein Teilstück führt aus dem am Steinweg liegenden Haus heraus auf das Nachbargrundstück. Ein weiterer Graben hat die Form eines Rechtecks. „Wozu diese Gräben gedient haben, ist noch unklar“, sagte Eichfeld.

Weiter geht es inzwischen mit dem Bau eines Supermarkts in der Mitte von Steinhorst, direkt neben der Lachte unweit der Kirche, berichtete Eichfeld weiter. Nach dem Fund eines Gehöfts aus dem 17. beziehungsweise 18. Jahrhundert auf dem Grundstück des inzwischen abgerissenen Gasthofs Heine, war eine Holzkastenkonstruktion gefunden worden. Lederreste, Eicheln, Pflanzenteile und Keramik zeigten sehr schnell, dass es sich um den Lohkasten einer Gerberei handelt, in dem Tierhäute mit tanninhaltigen Materialien behandelt wurden. Durch Keramik-Funde aus dem 12. Jahrhundert und nach Datierung der Hölzer konnte sich Eichfeld auf das 12. Jahrhundert festlegen. Die Hölzer stammten aus dem Zeitraum von 1152 bis 1170, sagte er. Damit habe man den Ort, dessen Ersterwähnung bei 1244 liegt, um ein Paar Jahre älter gemacht.

Im Laufe des vergangenen Jahres fand man fünf weitere eckige und einen runden Kasten. Weitere Funde waren nicht möglich, da die Bauarbeiten nicht das ganze Areal betreffen. Durch die neuen Funde, die um 984 und um 1336 datiert werden konnten, ist Steinhorst mit einem Mal erheblich älter. „Man kann davon ausgehen, dass hier über einen langen Zeitraum ein Gerberbetrieb bestanden hat“, schloss Eichfeld. Für eine Gerberei sei der Standort an der Lachte ideal gewesen. Der penetrante Geruch der Funde hat sich bis heute erhalten.

Außerdem wurde eine Holzplanke mit einer Durchbohrung gefunden. Die diente einst als Tisch oder Schabebaum, auf dem die Tierhäute von Fleisch- und Fettresten befreit wurden, bevor man sie gerbte, erklärte Eichfeld.

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