B-24H-Liberator vor mehr als 75 Jahren abgestürzt

Kreis Gifhorn: Suche nach vermissten Soldaten

Das Foto zeigt einen Grabungsschnitt am vermuteten Absturzort.
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Das Foto zeigt einen Grabungsschnitt am vermuteten Absturzort.

Landkreis Gifhorn – Auf einem abgeernteten Acker im Landkreis Gifhorn fanden in den vergangenen Tagen außergewöhnliche Ausgrabungen statt.

Ein Grabungsteam aus Archäologen, Anthropologen, Vermessungstechnikern und weiteren Spezialisten der US-Organisation „History Flight“ hielt sich für mehrere Tage in der Samtgemeinde Meinersen auf, um nach einem vermissten US-Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg zu suchen.

Die Organisation ist im Auftrag der DPAA (Defense POW/MIA Accounting Agency) tätig, einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums, deren Aufgabe es ist, vermisste Personen aus vergangenen Kriegen und Konflikten in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt zu bergen.

Auch kleinste Objekte werden dokumentiert.

Der Hintergrund der aktuellen Untersuchung liegt mehr als 75 Jahre zurück: Während des Anflugs für einen Bombenangriff auf die Stadt Braunschweig im April 1944 gerieten mehrere Flugzeuge des angreifenden Verbandes unter Beschuss und stürzten ab. So vermeldete die 8. US-Luftflotte am 8. April 1944 den Verlust einer B-24H „Liberator“ für den Bereich Müden/Aller. Bis auf ein Besatzungsmitglied retteten sich alle Insassen durch Fallschirmabsprung und überlebten den Absturz. Nach Angaben eines Besatzungsmitglieds befand sich jedoch noch eine Person in dem Flugzeug, als es abstürzte.

Bereits 1948 war die Absturzstelle vom US-Militär in Augenschein genommen worden. Damalige Augenzeugen wussten von Leichenteilen und verstreuten Überresten des Bombers zu berichten, die jedoch kurz nach dem Absturz von der deutschen Luftwaffe entfernt worden waren.

Die aktuellen Untersuchungen basieren auf umfangreichen Recherchen, die seit 2007 auch mit Hilfe eines lokalen Privathistorikers vorangetrieben wurden. Durch eine im Oktober 2012 vorgenommene Voruntersuchung konnte die Hauptkonzentration der Wrackteile auf einen 90-mal-50-Meter-Bereich eingegrenzt werden. Vorrangiges Ziel der jetzigen Grabung war es, die Absturzstelle nach sterblichen Überresten des Soldaten sowie weiteren Wrackteilen des Flugzeugs zu untersuchen.

Die mit Wissen und Genehmigung der Kreis- und Stadtarchäologie Gifhorn vorgenommenen Ausgrabungen erbrachten neben zahlreichen Wrackteilen auch persönliche Ausrüstungsgegenstände, wie zum Beispiel den Rest eines Lederhandschuhs. Auch wenn bislang noch keine menschlichen Überreste entdeckt werden konnten, ist wahrscheinlich, dass diese noch irgendwo im Boden verborgen liegen. Landrat Dr. Ebel unterstreicht: „Umso wichtiger ist es, dass auch solche Kriegsstätten dokumentiert und vor unbefugten Nachgrabungen geschützt werden.“

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