Krisendienst: Doppelt so viele Anrufe

Kreis Gifhorn registriert gestiegenen Hilfsbedarf in psychischen Notsituationen

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Der Krisendienst des Landkreises Gifhorn steht an Wochenenden und Feiertagen Menschen zur Verfügung, die sich in psychischen Notsituationen befinden. Die Zahl der Hilfesuchenden ist stark gestiegen. (Symbolfoto)

Landkreis Gifhorn – Einen markanten Anstieg der Zahl der Menschen, die an Wochenenden oder Feiertagen in psychischen Notsituationen Hilfe suchen, hat der Krisendienst des Landkreises Gifhorn im abgelaufenen Jahr registriert. Das geht aus einer Antwort der Kreisverwaltung auf eine IK-Anfrage hervor.

Demnach ist die Zahl der Beratungen für Menschen in Krisensituationen im Jahr 2018 gegenüber 2017 um 85 Prozent gestiegen.

Der Krisendienst steht Hilfesuchenden freitags (13 bis 19 Uhr) sowie samstags, sonntags und von 11 bis 19 Uhr auch an Feiertagen unter (0800) 8282333 zur Verfügung. Die reine Zahl der Anrufe hat sich sogar mehr als verdoppelt – es waren jetzt 530 (2018) statt 258 (2017). Hinzu kamen 78 Beratungsgespräche in der Tagesklinik (Vorjahr: 82), 103 Hausbesuche (47) und 208 (136) weitere Kontakte, bei denen Einsätze von anderen Institutionen oder Ärzten des Krisendienstes koordiniert wurden.

„Die häufigsten Themen sind psychische Belastungen aufgrund von Depressionen, Ängsten, Suizidgedanken, Borderline-Symptomatiken und Psychosen“, erklärt Kreisrat Rolf Amelsberg auf die Frage nach den fünf häufigsten Notlagen, in denen sich Betroffene an den Krisendienst wenden. Suizidale Krisen hätten dabei einen Anteil von 10 bis 15 Prozent, wenn man die akuten und die latenten Fälle bei den Kontakten zusammenzähle.

Für den Krisendienst arbeiten 33 Beraterinnen und Berater als Ansprechpartner der Anrufer, sie sind jeweils zu zweit im Einsatz. Sieben Ärztinnen und Ärzte gehören zum Bereitschaftsdienst im Hintergrund.

Wie erfolgreich das Team darin ist, den Anrufern in ihren Notsituationen zu helfen, ist laut Amelsberg schwer zu beurteilen – es gebe dafür kein konkretes Messinstrument. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krisendienstes erhalten sehr häufig positive Rückmeldungen in der Form, dass durch die Beratung erste Schritte zur Bewältigung der aktuellen Krise eingeleitet werden konnten“, erläutert der Kreisrat. „In einigen Fällen erfolgte die Hilfe für eine schnelle freiwillige Aufnahme in eine psychiatrische Klinik.“

Wochenenden und Feiertage – das bestätigt auch Amelsberg – sind häufig die Zeiten, in denen sich psychische Notlagen zuspitzen. Die Helfer des Krisendienstes bieten bei Bedarf auch eine fortgesetzte Unterstützung von Freitag bis Sonntag. Am darauffolgenden Werkstag übernimmt dann – bei entsprechendem Wunsch des Betroffenen – der Sozialpsychiatrische Dienst des Landkreises, der abseits der Wochenenden und Feiertage zuständig ist. Die Betreuung erfolgt dann oft in Form von Beratungsgesprächen und auch Hausbesuche, bei denen intensive Hilfe unter Einbeziehung des häuslichen Umfelds angeboten werden kann.

Laut Amelsberg zeichnet den Krisendienst eine geringe Mitarbeiterfluktuation aus. Eine Aufstockung des Teams sei trotz der gestiegenen Fallzahlen nicht erforderlich. Eine Ausweitung des Krisendienst-Angebots über die Wochenenden hinaus sei derzeit nicht geplant.

Generell gelte, so Amelsberg: „Die Entwicklung der Angebote orientiert sich am nachgefragten Bedarf.“ Eine Erreichbarkeit per E-Mail gebe es bisher nicht, diese Frage werde aber „derzeit diskutiert“. Der im Alltag zuständige Sozialpsychiatrische Dienst kann per E-Mail kontaktiert werden, das wird aber laut Amelsberg eher selten genutzt.

Die Ursache für den steilen Anstieg der Zahlen vermutet Amelsberg nicht so sehr in einem objektiv drastisch gestiegenen Bedarf, sondern in erster Linie im nach und nach gestiegenen Bekanntheitsgrad des Krisendienstes, der 2014 an den Start ging. Freilich sei auch zu beobachten, dass psychische Erkrankungen zunehmen. Gleichzeitig sei aber ein Indikator auch die Nachfrage nach Hilfe beim Sozialpsychiatrischen Dienst unter der Woche – und die sei relativ konstant.

VON HOLGER BODEN

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