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Kreis Gifhorn: Gäste beschimpfen Busfahrerin wegen Hinweis auf Maskenpflicht

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Von: Paul Gerlach

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Busfahrer und Kunden des Personennahverkehrs
Im öffentlichen Personennahverkehr besteht Maskenpflicht. Im Kreis Gifhorn kommt es immer mal wieder zu – meist verbalen – Übergriffen gegen Busfahrer. © DPA

Landkreis Gifhorn – Eine Busfahrerin, die im gesamten Landkreis Gifhorn unterwegs ist, berichtet von üblen Beleidigungen und Beschimpfungen durch Fahrgäste, die sie auf die FFP2-Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr und damit auch in ihrem Fahrzeug hinweist.

„Wenn alle Busfahrer an einem Strang ziehen würden, wäre es einfacher“, sagt sie im IK-Gespräch. Denn es gebe einige schwarze Schafe unter den Fahrern der verschiedenen Verkehrsunternehmen, die Fahrgäste auch mit OP-Masken mitnehmen würden.

In Niedersachsen gilt in allen Fahrzeugen des ÖPNV: Kinder bis zu einem Alter von einschließlich fünf Jahren sind von der Maskenpflicht ausgenommen. Für Kinder zwischen dem 6. und 14. Geburtstag reicht eine einfache medizinische Maske. Ab dem 14. Lebensjahr gilt dann die FFP2-Maskenpflicht. Bei einer Befreiung von der Maskenpflicht aus gesundheitlichen Gründen ist es nötig, ein ärztliches Attest vorzuzeigen, um Einlass in das Fahrzeug zu erhalten.

Die hinlänglich bekannten Regeln sind klar und gelten für alle, aber die Busfahrerin schildert, dass manche Leute mit Beleidigungen und Beschimpfungen reagieren. Sie sei schon als „Schl .. mpe“ tituliert worden und habe sich „F .. dich!“ anhören müssen. Es werde sehr schnell sehr vulgär. Hinterher stelle sich dann in manchen Fällen auch noch heraus, dass die Personen, die so ausgerastet und aus ihrer Haut gefahren sind, nur das 9-Euro-Ticket aus dem Vormonat mit sich führen. Die Fahrerin betont, dass es auch vorsichtige Familien gebe, bei denen die Kinder eine FFP2-Maske tragen, wenn sie verschnupft sind.

Wenn es zu Beleidigungen kommt, ruft sie die Polizei. Dann werden die Verantwortlichen des Busses verwiesen. Klar ist aber auch: Wenn die Polizei kommt, dann bedeutet das eine Verspätung für alle Fahrgäste, da auf das Eintreffen der Beamten gewartet werden muss.

„Wir Fahrer brauchen Hilfe, vor allem wir Frauen“, sagt sie. Die Personen, die die Regeln missachten, würden sich nichts sagen lassen. Sie hofft, dass es zu verstärkten Kontrollen im ÖPNV kommt. Schließlich gebe es auch eine Dienstanweisung der Verkehrsgesellschaft Landkreis Gifhorn mbH (VLG), dass auf das Einhalten der Maskenpflicht durch die Fahrer geachtet werden soll. Sie habe aber schon gesehen, dass andere Fahrer Leute, die sie wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht an der Haltestelle stehen gelassen hatte, im Bus mitgenommen haben. Wenn sich jemand nicht an die Regeln hält, „stelle ich mich vor die Tür meines Busses“, sagt sie. Sie lasse die Menschen nicht hinein, denn wenn diese erstmal Platz genommen hätten, würde sie die Leute nicht mehr aus dem Bus herausbekommen. Anfassen dürfe sie sie auch nicht. Aber auch während der Fahrt könne sie Leute des Busses verweisen. Dann würden die Menschen aber oft komisch. Grundsätzlich sei es so, dass die Fahrer Modulschulungen erhalten, wie sie mit Fahrgästen umgehen. Theorie und Praxis seien aber immer zwei Paar Schuhe.

Die Fahrerin unterstreicht: „Wir machen nur unsere Arbeit und wollen gesund bleiben. Wir wollen den Leuten nichts Böses.“ Körperliche Angriffe auf Fahrer habe es im Landkreis aber schon gegeben, ein Fahrer sei verprügelt worden. Es seien auch Fahrer bespuckt worden, die Plexiglasscheibe sei zum Glück dazwischen gewesen. Sie selbst sei bislang „nur“ mit Wörtern angegangen worden. Dabei seien die Regeln in den Bussen gut sichtbar angebracht und es laufen auch immer mal wieder Durchsagen. „Es steht überall und die Leute wissen das auch“, sagt die Fahrerin. Sie wünsche sich mehr Rücksichtnahme und dass es keine Beleidigungen und Beschimpfungen mehr gibt. Sie ist froh, dass sie Rückhalt von ihrem Chef bekommt. Ihre Hoffnung lautet, dass auch das Gesundheitsamt mehr kontrolliert. „Wir Fahrer brauchen Hilfe und Unterstützung vom Landkreis Gifhorn und dem Gesundheitsamt“, betont sie.

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