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Kreis droht Pflegenotstand

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Von: Bernd Schossadowski

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In den kommenden Jahren wird es immer mehr pflegebedürftige Menschen im Landkreis Gifhorn geben. Foto: dpa
In den kommenden Jahren wird es immer mehr pflegebedürftige Menschen im Landkreis Gifhorn geben. Foto: dpa

Landkreis Gifhorn. Dem Landkreis Gifhorn droht ein dramatischer Fachkräftemangel in der Pflege. Vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Bevölkerung werden bis zum Jahr 2030 mindestens 1450 zusätzliche Pflegekräfte – das entspricht 1029 Vollzeitstellen – fehlen.

Nirgendwo in Südostniedersachsen ist die Versorgungslücke größer. Das ist eine der Kernaussagen des ersten Pflegeberichts für den Landkreis, den Verwaltungsmitarbeiter Torsten Haf gestern dem Sozialausschuss vorstellte.

Der mehr als 80 Seiten umfassende Bericht bietet einen detaillierten Überblick über die hiesige Pflegesituation, schildert deren voraussichtliche Entwicklung und bietet damit die Grundlage für politische Beratungen. Dabei zeigt sich, dass der Anteil der Menschen über 80 Jahre im Landkreis deutlich steigen wird, besonders im Nordkreis. Daraus ergeben sich erhebliche Herausfordungen für die Pflege. So prognostiziert das niedersächsische Sozialministerium, dass die Zahl der Pflegebedürftigen im Kreis Gifhorn zwischen 2007 und 2030 um 48,9 Prozent zunehmen wird. Damit liegt Gifhorn an der Spitze in der gesamten Region Südostniedersachsen.

So gab es im Jahr 2011 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – kreisweit 5484 pflegebedürftige Menschen. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde von Angehörigen versorgt, gefolgt von der Pflege in stationären Einrichtungen und von Bewohnern in Pflegeheimen.

Zwar ist bis 2011 auch die Zahl der Pflegekräfte im Landkreis Gifhorn angestiegen – auf 558 Mitarbeiter bei ambulanten Pflegediensten und 1111 Kräfte in stationären Einrichtungen. Doch nach den Worten von Haf wird die Vielzahl dieser Beschäftigungsverhältnisse nicht in Vollzeit ausgeübt. Angesichts des erwarteten überdurchschnittlichen Zuwachses an Pflegebedürftigen sei bis zum Jahr 2030 eine gravierende Versorgungslücke in der Pflege zu erwarten, erklärte Haf. Denn es gebe auch immer weniger Pflegeleistungen durch Angehörige. „Deshalb müssen dringend Strategien gegen den Fachkräftemangel in der Pflege gefunden werden“, betonte Haf.

Anders sieht die Situation bei der Zahl der Pflegeplätze aus. Insgesamt 1727 standen zum 1. Juli 2013 in 23 Einrichtungen im Landkreis Gifhorn zur Verfügung. „240 Pflegeplätze waren nicht belegt. Das entspricht einer kreisweiten Auslastungsquote von rund 87 Prozent“, sagte Haf. Sein Fazit: „Wir als Kreisverwaltung favorisieren einen weiteren Ausbau ambulanter, flexibler Hilfs- und Unterstützungsangebote. Dagegen ist der weitere Ausbau stationärer Pflegeplätze derzeit nicht notwendig.“

Von Bernd Schossadowski

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