Gifhorn: Referat über Ethik im Wirtschaftsleben mit Professor Dr. Claus Hipp

„Kreativität schulen“

Eberhard Manzke (l.) und Claus Hipp tragen sich im Beisein von Landrätin Marion Lau ins Gästebuch des Landkreises Gifhorn ein. Foto: Peiser

Gifhorn. Fernab des Alltagsgeschäftes in sich gehen und Denkanstöße zu bekommen oder zu geben – dafür stehen die Wirtschaftsgespräche der IHK Lüneburg-Wolfsburg, die mittlerweile zu einer festen Institution geworden sind.

„Und das“, betonte IHK-Präsident Eberhard Manzke, „immer mit hochkarätigen Gästen. “.

Dienstagabend konnten Manzke und Landrätin Marion Lau im Gifhorner Schloss Professor Dr. Claus Hipp, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, begrüßen, der über Ethik im Wirtschaftsleben referierte. Das Unternehmen Hipp steht seit über fünf Jahrzehnten für eine bewusste und sensible Auseinandersetzung mit den Themen Natur, Mensch und Wirtschaft.

Wie Manzke eingangs anmerkte, würden sich Diskussionen über den allgemeinen Werteverfall in der Gesellschaft häufen. Er nannte Schlagworte wie kurzfristige Kapitalorientiertheit oder fehlende Verantwortung gegenüber Mitarbeitern. Bereits 1999 führte das Unternehmen ein internes Ethik-Management ein.

Kreativität und Denkvermögen müsse nach Ansicht Hipps geschult werden, aber leider werde Kunst und Musik im Unterricht gestrichen. „Es fehlt an Phantasie, um Lösungen zu finden“, meint Hipp, der seine Auszubildenden einmal im Jahr in die Oper einlädt. Heutzutage sei das Wissen elektronisch abgespeichert. Dadurch gehe den jungen Menschen die Individualität verloren. „Unsere Aufgabe ist es, Menschen auszubilden. Dabei muss man Abstriche machen vom Fachwissen und das Allgemeinwissen fördern.

In einer schnelllebigen Zeit ist es dem Unternehmenschef für Kinderkost besonders wichtig, langfristig zu denken. „Das ist in einem Familienunternehmen einfacher als in einer Kapitalgesellschaft“, gab der 73-Jährige zu, der an den Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maßhaltung festhält. In Sachen Qualitätsmanagement dürfe man keine Versprechen machen, die man nicht einhalten könne. Sicherlich müsse man mit den Lieferanten über die Preise reden, „aber drücken wir sie zu sehr, wirkt sich das automatisch auf die Qualität aus.“

Wichtig ist dem Großunternehmer das Wohl und die Fürsorge seiner Mitarbeiter: „Ziele müssen erreichbar sein und auf die Qualität jedes Einzelnen muss man achten und sie erkennen.“ Warum nicht die Qualitäten eines arbeitslosen Jugendlichen fördern – abseits des geforderten Zeugnisdurchschnittes. Zur Fürsorge der Mitarbeiter gehöre auch eine gerechte Entlohnung. Das Unternehmen zahlt 20 Prozent über Tarif.

Geld verdienen, das aber auch zu familienfreundlichen Zeiten. „Wir halten verschiedene Arbeitszeitmodelle vor. Wir arbeiten auch an einer Lösung, nachmittags eine Hausaufgabenbetreuung für die Kinder der Mitarbeiter anzubieten. Denkbar wäre es, pensionierte Lehrkräfte einzustellen. Deutschland muss in der Lage sein, dass sich Eltern um ihre Kinder kümmern können“, ist Hipp überzeugt.

Hipp weiß, dass man künftig Probleme haben werde, Fachkräfte zu bekommen – auf längeres Arbeiten müsse man sich einstellen. Was aber auch kein Problem sei: „Warum soll man einem fitten Rentner nicht die Möglichkeit geben, weiter zu arbeiten – ohne dass er Abgaben zahlen muss. Das hat er ja schon sein Leben lang getan. Wir müssen uns Gedanken machen – und glauben Sie mir: Man verdummt nicht schlagartig mit 65.“

Umweltschutz wird in Hipps Unternehmen groß geschrieben. „Wir haben schon vor Jahren einiges dafür getan. Aber Umweltschutz muss ökologisch und ökonomisch vertretbar sein, sonst läuft man Gefahr, dass im Ausland produziert wird“, ist der Unternehmer überzeugt. Zu einem Unternehmen, das Hipp mit einem Orchester vergleicht, gehöre es auch, ethische Grundsätze abzuwägen. Ein anständiger Umgang miteinander sei wichtig. Dazu gehöre es auch, Niederlagen einzustecken, wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Von Carola Peiser

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