Diakonie gibt mehr als 15.000 Euro für spezielle Medikamente aus

Die Krätze kursiert im Kreis Gifhorn

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(Symbolfoto) Auslöser des Juckreizes sind nur 0,2 bis 0,4 Millimeter großen Krätzmilben. Sie bohren sich unter die Haut.

Gifhorn. Ein Klient in der Kurzzeitpflege hat Anfang September einen Mitarbeiter des Christinenstifts mit Scabies angesteckt.

Die im Volksmund „Krätze“ genannte Krankheit ist nicht lebensbedrohlich, aber unangenehm, erklärt Josef Kraft, Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis.

Ingetraut Steffenhagen (v.l.), Josef Kraft und Christian König, Qualitätsmanager Altenpflege der Diakonie, informierten umfassend über Scabies.

Meldepflichtig ist die Krankheit bei einzeln betroffenen Menschen nicht, die Diakonie als Träger des Christinenstifts hat dennoch umgehend das Gesundheitsamt informiert. Seit Anfang September sind nun bereits mehr als 30 Mitarbeiter und Bewohner des Seniorenheims angesteckt. Kraft rechnet mit weiteren Betroffenen, weitere Fälle im Landkreis sind bereits bekannt. Die Inkubationszeit für Scabies beträgt sechs Wochen. „Wir behandeln die von Scabies betroffenen Mitarbeiter und Bewohner mit Salbe, die auf dem ganzen Körper aufgetragen werden muss. Zudem sind hygienische Maßnahmen sehr wichtig“, sagt Kraft. Zwar wird Scabies generell durch Körperkontakt oder Kontakt mit befallener Bett- oder Körperwäsche übertragen, so dass vorsorgliche Hygiene nicht schützt. „Aber wenn man die Creme verwendet, muss man auch die weiterhin befallenen Wäschestücke reinigen“, sagt Kraft. Die Milben, die als Parasiten die juckende Hautkrankheit hervorrufen, sterben bei Temperaturen von mehr als 60 oder weniger als Null Grad. Creme ist die eine Möglichkeit, doch darauf wollen sich Kraft und die Diakonie nicht verlassen, vor allem, weil wegen der langen Inkubationszeit unklar ist, wer bereits noch infiziert ist. Zudem erkennt noch nicht einmal jeder Arzt die Krankheit, denn die letzten Scabies-Fälle im Landkreis waren 1998 und 2005. „Die zweite Möglichkeit sind Tabletten des Medikaments Stromectol“, sagt Kraft. Das ist todsicher für die Milben, schützt aber nicht nachhaltig, eine Wiederinfektion ist möglich.

„Damit wir alle möglicherweise betroffenen Menschen erreichen, werden wir am 8. Oktober jedem, der im Christinenstift arbeitet oder wohnt, die entsprechende Medikamentation verabreichen, 400 Menschen“, kündigt Ingetraut Steffenhagen, Pressesprecherin der Diakonie an. Durch umfassende und unverzügliche Informationen wurden alle, die Kontakt mit dem Christinenstift haben, informiert.

Die kollektive Tabletteneinnahme lässt sich die Diakonie etwas kosten. 15 000 Euro kosten die Tabletten, die extra von einer internationalen Apotheke in Freiburg geholt werden. Denn das Medikament ist in Deutschland nicht zugelassen. „Aber nicht deshalb, weil es bedenklich wäre. Die Herstellerfirmen haben lediglich für Deutschland keine Zulassung beantragt. Weltweit wurden im letzten Jahr 400 Millionen Tabletten verabreicht“, sagt Kraft, der die Rezepte ausgestellt hat. Die Krankenkassen übernehmen wegen fehlender Zulassung die Kosten nicht.

Von Burkhard Ohse

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