Landkreis Gifhorn: Immer mehr Jugendliche mit Alkoholvergiftung in Klinik

Komasaufen: Zahlen steigen

Komatrinken bei Jugendlichen bleibt ein Problem.
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Komatrinken bei Jugendlichen bleibt ein Problem.

Landkreis Gifhorn. Dramatische Zahlen: 100 Jugendliche aus dem Landkreis Gifhorn sind 2012 mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Das ist gegenüber 2011 eine Steigerung von 38,9 Prozent.

Die Zahlen hat die Krankenkasse DAK im Rahmen ihrer Präventionsaktion „bunt statt blau“ gegen das Rauschtrinken bei Jugendlichen zusammengetragen. „Die Zahlen stammen vom Statistischen Landesamt“, sagt Anna-Lena Druschke, Leiterin der DAK in Gifhorn. Neulich landete eine 16-Jährige mit 2,9 Promille im Gifhorner Klinikum.

Dass die Zahlen aus dem vorvergangenen Jahr sind, liege an der Abrechnungspraxis der Krankenhäuser, erläutert Druschke. Im Nachbarkreis Helmstedt seien die Werte rückläufig gewesen. Dort seien nur 17 aktenkundige Fällen zu verzeichnen gewesen. Das entspreche einem Rückgang von 15 Prozent gegenüber 2011.

Bernd Schuhose, Kreis-Jugendpfleger in Gifhorn, sagt: „Jeder Jugendliche, der völlig alkoholisiert in ein Krankenhaus eingeliefert wird, ist einer zu viel.“ Dennoch sieht er die Zahlen kritisch. Im Landkreis werde bei alkoholisierten Jugendlichen, wenn sie von der Polizei aufgegriffen würden, schneller ein Krankenwagen alarmiert als in anderen Kreisen, glaubt Schuhose.

Nichtsdestotrotz sei man wachsam: Einen Tag nach einer Einlieferung habe er einen einen Bericht der Polizei auf dem Tisch. „Dann treten wir mit den Eltern in Kontakt und bieten ein freiwilliges Beratungsgespräch an.“ Seien starke Anzeichen einer Suchtgefährdung oder Sucht zu verzeichnen, rate er dringend zu einem Termin bei der Suchtberatung. Die kommt auch dann ins Spiel, wenn alkoholisierte Jugendliche nach Ausnüchterung im Krankenhaus das Personal von der Schweigepflicht entbinden. Das informiert die Suchtberatung der Diakonie. Die bietet ihrerseits freiwillige Gespräche an.

Im kommenden Monat nimmt Schuhoses Behörde wieder die Aktion der Alkohol-Testkäufe auf. Minderjährige Jugendliche versuchen mit der Polizei im Hintergrund, bei Tankstellen oder Kiosken Schnaps zu kaufen. Können sie ihn erwerben, drohen den Ladenbesitzern empfindliche Bußgelder.

Von Jens Schopp

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