Dr. Thomas Walter wird Vize-Chef der Gifhorner Kreisverwaltung – ohne Stimmen von SPD und Grünen

Knappes Votum für Ersten Kreisrat

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Neuer Erster Kreisrat in Gifhorn: Dr. Thomas Walter.

Gifhorn. Zwischenzeitlich muss Dr. Thomas Walter gestern Nachmittag das Gefühl gehabt haben, dass die Sache schiefgehen könnte:

Der Jurist war im Gifhorner Rittersaal Zuschauer der Kreistagssitzung, und er erlebte, wie SPD und Grüne nacheinander erklärten, dass sie ihn nicht zum Ersten Kreisrat wählen würden. Mit 29 Ja- und 21-Nein-Stimmen reichte es für den 32-Jährigen dann aber doch – er ist nun hinter Landrat Dr. Andreas Ebel zweiter Mann an der Spitze des Landkreises.

„Ich traue ihm die Funktion der allgemeinen Vertretung des Landrats uneingeschränkt zu“, sagte Ebel, der betonte, dass für die Nachfolge der zum 1. Februar nach Hildesheim gewechselten Ersten Kreisrätin Evelin Wißmann ein Jurist bevorzugt worden sei. Aus 26 Bewerbern, von denen drei in die engere Auswahl gekommen waren, hatte Ebel Walter vorgeschlagen. Dieser kommt vom niedersächsischen Innenministerium, war zuletzt mehr als vier Jahre für das Land tätig, und hat auch schon als Dezernent für Ausländerrecht für die Celler Kreisverwaltung gearbeitet.

Walters Vita hatte die SPD jedoch offensichtlich nicht überzeugt: Fraktionschef Rolf Schliephacke machte deutlich, dass er im Lebenslauf des Kandidaten ausreichend Führungserfahrung vermisse, die könne man bei der Leitung von drei Fachbereichen nicht erst im Amt erwerben. Klaus Rautenbach (Grüne) schloss sich dem an und stellte zudem infrage, ob die Kreisspitze künftig noch die „heterogene Zusammensetzung“ des Kreistages abbilde: Walter ist CDU-Mitglied.

Für die AfD kritisierte Stefan Marzischewski-Drewes diese Argumentation: „Für uns geht es hier nicht ums Parteibuch.“ Telse Dierksmeier-Vielhauer befand im Namen der CDU, Walter habe bei seiner Vorstellung vor Vertretern der Politik „brilliert“. Auch die Gruppe Unabhängige/FDP sprach sich für den 32-Jährigen aus.

Walter, der dem IK sagte, dass er seinen Wohnsitz nach Gifhorn verlegen werde, versprach dem Kreistag, er werde „mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften dafür arbeiten, den Landkreis voranzubringen“. Er wolle allen Verantwortlichen „die Hand reichen“ für eine gute Zusammenarbeit – auch jenen, die ihn nicht gewählt haben. Walters Amtszeit beträgt zunächst acht Jahre.

Bemerkenswert: Hätte die oppositionelle AfD gestern gegen Walter gestimmt, wäre der Favorit des Landrats nicht gewählt worden. Und die Kür des Ersten Kreisrats war nicht der einzige Punkt, bei dem sich Differenzen in den Reihen der großen Kreistagskoalition aus CDU, SPD, FDP und Unabhängigen offenbarten. Die Sozialdemokraten unterstützten die Forderung der Grünen nach zusätzlichen vier Millionen Euro für den Radwegebau, ein entsprechender Antrag fand jedoch nur rot-grüne Zustimmung und scheiterte bei 25 Nein-Stimmen und drei Enthaltungen knapp. Und wer den Applaus bei Redebeiträgen beobachtete, musste mehrmals den Eindruck gewinnen, dass die gegenseitigen Sympathien zwischen Schwarz, Grün und Rot bei manchen Themen noch ähnlich verteilt sind wie in der vergangenen Wahlperiode.

Von Holger Boden

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