Zahl der Genehmigungen im Kreis verdreifacht

Kleiner Waffenschein: Ein Nachhall der Silvester-Nacht?

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Der Kleine Waffenschein wird auch im Landkreis Gifhorn in diesem Jahr deutlich häufiger beantragt.
  • VonMatthias Jansen
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Landkreis Gifhorn. „Wenn sich jemand dadurch sicherer fühlt, ist das legitim“, sagt Thomas Reuter.

Allerdings sieht der Sprecher der Polizeiinspektion Gifhorn die gestiegene Anzahl der Anträge für den Kleinen Waffenschein, der zum Tragen von Schreckschuss- oder Gasdruckpistolen berechtigt, „mit Skepsis“.

Der NDR hatte in einer Umfrage ermittelt, dass in Niedersachsen im März 34 200 Genehmigungen registriert wurden. Das sind 29 Prozent mehr als Ende 2015. Im Landkreis Gifhorn wurde im März 96 Kleine Waffenscheine ausgestellt – fast doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2015 (49). In den ersten fünf Monaten wurden im Kreisgebiet bisher 165 Genehmigungen für den Kleinen Waffenschein erteilt. Mit 7800 genehmigten Anträgen war die Anzahl in ganz Niedersachen im ersten Quartal viermal so hoch wie im Vorjahr.

Trotz „zunehmender Bewaffnung“, so Reuter, werde es aber keine 100-prozentige Sicherheit geben. Im Gegenteil: Der Polizeisprecher warnt, dass die Benutzung der Schreckschuss- oder Gasdruckpistole zur Abschreckung die Gefahr nur weiter erhöhen könnte. „Die Schreckschusswaffen sehen aus wie echte. Es könnte sein, dass der Angreifer – wenn er selbst eine Pistole dabei hat – sofort schießt.“

Beantragen kann den Kleinen Waffenschein, wer über 18 Jahre alt ist und die „nötige Zuverlässigkeit und persönliche Eignung“ – keine Vorstrafen, keine Zugehörigkeit zu einem verbotenen Verein, einen festen Wohnsitz und keine Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit – mitbringt. „Die Zuverlässigkeitsprüfung macht Sinn“, erläutert Reuter.

Denn bei Missbrauch von Schreckschusswaffe oder Pfefferspray droht eine Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit oder Körperverletzung. Der Einsatz wäre nur in einer Notsituation gerechtfertigt, sagte Stephanie Weiß, Sprecherin des Landeskriminalamtes Niedersachsen, gegenüber dem NDR. „Man darf diese Waffe nicht einsetzen, wenn man nur provoziert wird.“

Reuter vermutet, dass der Anstieg der Anträge zum Kleinen Waffenschein mit den Vorfällen der Silvesternacht in Köln und Hamburg zu tun hat. „Ob das der alleinige Grund ist, will ich nicht beurteilen“, so der Polizeisprecher. Einen Vorfall im Landkreis Gifhorn, bei dem Schreckschusspistolen oder Pfefferspray zur Abwehr von Gefahr eingesetzt werden musste, ist dem Pressesprecher der Polizei bisher nicht bekannt.

Von Matthias Jansen

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